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Die vorzustellende Monographie, die eine Reihe von medizinischen, literarischen und kulturkritischen Schriften Georg Groddecks behandelt, ist vor allem die Dissertation einer Germanistin (Stuttgart) - eine Information, die nur sehr diskret der Danksagung zu entnehmen ist. Ihr Erkenntnisinteresse ist wohl weder ein primär literatursoziologisches oder diskursgeschichtliches noch ein vorrangig medizinhistorisches, betreffend etwa die Rekonstruktion der Geschichte der psychoanalytischen Psychosomatik. Hristevas Textanalyse, die von »einem moderat konstruktivistischen Standpunkt aus« (S. 33) »Groddecks Antiszientismus, der auch in den Präsentationsformen zum Ausdruck kommt« (S. 16), nachzeichnet, zielt weniger auf die Eröffnung neuer Perspektiven des Gegenstandsfelds als vielmehr auf die Anwendung einer Theorie der Rhetorik und Metaphernstruktur sogenannter Weltanschauungsliteratur, wie sie von ihrem Lehrer, Horst Thomé, vertreten wird. Dazu passt, dass sie den seit 1997 im Literaturarchiv in Marbach bereitliegenden Nachlass von Groddeck nahezu unberücksichtigt lässt.
Hristeva geht von der Feststellung aus, es sei in der Forschung über Groddeck bisher nirgends der Versuch gemacht worden, »den Zusammenhang zwischen seinen literarischen und medizinischen Texten zu erfassen, die ›Zirkulation‹ des Wissens zwischen ihnen und die Formen, mit denen dies möglich wird, zu bestimmen« (S. 30). Diese Aussage ist so nicht aufrechtzuerhalten. Jedenfalls hat die Verfasserin dieser Rezension schon in den Jahren 2000 und 2003, im Rahmen eines Bonner medizinhistorischen Forschungsprojekts (zugeordnet dem Lehrstuhl Heinz Schott), mehrere Untersuchungen zu Groddecks Rhetorik sowohl in eher psychoanalytischen wie in eher literarischen Schriften, etwa dem Buch vom Es, vorgelegt. Sie kommt darin zwar zu anderen Schlussfolgerungen, bearbeitet aber bereits einen bei Hristeva ebenfalls zentralen Punkt: die Abhängigkeit der Schreibverfahren von monistischen resp. dualistischen Seelenmodellen. In ei