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Karl Abraham zählt zu den herausragenden Freud-Schülern der ersten Generation; niemand bezweifelt, dass er die Theorie- und Organisationsgeschichte der Psychoanalyse so tief beeinflusst hat wie wenige andere. Der faktische Umgang mit ihm jedoch steht im Kontrast zu dieser historischen Wertschätzung. Abrahams organisatorische Rolle, vor allem in der Institutionalisierung der psychoanalytischen Ausbildung, ist ins Zwielicht geraten, und seine theoretische Leistung wird zwar stereotyp beteuert, aber nicht durch eine starke, ob positive oder kritische, Rezeption bestätigt, wie es etwa bei Ferenczi der Fall ist. Sogar die wirkungsgeschichtlich bedeutsamste Linie, durch die Abrahams Einfluss bis heute aktiv ist, die Übernahme und Weiterentwicklung seiner Ansätze durch Melanie Klein, bleibt in der Regel unbeleuchtet. Gegen diesen Stand der Dinge treten die Beiträge zum Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts an, wie schon das frühere Abrahamheft von LUZIFER-AMOR (Nr. 20, ).
Die ersten beiden Texte behandeln zwei organisationsgeschichtliche Schlüsselereignisse, an denen Abraham in einer Weise beteiligt war, die ihm nachhaltige Kritik eingetragen hat. Interessanterweise widersprechen beide Autorinnen dieser kritischen Perspektive. Anna Bentinck van Schoonheten analysiert den Streit, der sich beim ersten psychoanalytischen Kongress 1908 in Salzburg zwischen Abraham und Jung entzündete. Sie legt dar, dass Jungs Plagiatsvorwurf gegen den Kollegen unberechtigt war, dass vielmehr in Salzburg ein theoretischer Konflikt zwischen Freud und Jung schwelte, den Freud verleugnete. Abraham diente in dieser Situation als Sündenbock. Sechzehn Jahre später trieb Abraham die Rankkrise auf die Spitze. Rank und Ferenczi bezichtigten ihn der »Denunziation«, weil er seine harschen Einwände gegen sie in einem Privatbrief an Freud formulierte; ihre Empörung hat die historische Forschung affiziert. Dagegen arbeitet Karin Zienert-Eilts heraus, dass Abraham damals die offene Diskussion suchte. Dass d