You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nach dem »Schlachthof« in Kassel und der »psychiatrischen Tagesklinik« in Tübingen hat das Symposion mit der »Hörsaalruine« des Medizinhistorischen Museums der Charité in Berlin einen weiteren geschichtsträchtigen Ort bezogen. Mochte auch das winterlich kalte Wetter anfangs noch wehmütige Erinnerungen an das gemütliche und sonnenreiche Tübingen geweckt haben, so verflüchtigten sich diese bald angesichts der stimmungsvollen Tagungsstätte.
Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die neuen Gastgeber Michael Schröter und Thomas Aichhorn oblag es dem Nestor des Symposions, Helmut Junker, durch den ersten Vortragsreigen zu führen. Almuth Bruder-Bezzel ließ in ihrem Beitrag: Der Nürnberger Kongress 1910 und Adlers Stellung in der psychoanalytischen Vereinigung noch einmal die Ereignisse Revue passieren, die bei der Gründung der IPV zum Eklat geführt hatten. Unter Anführung Adlers hatte es einen »Aufstand der Wiener« gegeben, die sich durch Ferenczis »autokratisches« Vorgehen gedemütigt und provoziert fühlten. Adler, wie auch später Bleuler, kritisierte an der Vereinsgründung das Sektiererische, worin er eine Gefährdung wissenschaftlicher Freiheit und Kreativität sah. Er fühlte sich, nicht zuletzt wegen seiner von Freud abweichenden Annahme des »männlichen Protestes«, durch eine potentielle »präsidiale Zensur« bedroht. Außerdem hatte Adler nicht, wie von Freud gewünscht, über »Psychoanalyse und Weltanschauung« vorgetragen, sondern über »Psychischen Hermaphroditismus«, was Freud schmerzlich an seine Plagiatsaffäre mit Fließ erinnern musste. Den späteren Bruch zwischen Freud und Adler erklärt dies allerdings nicht, zumal Freud ihm nach dem Nürnberger Kongress die Position eines Obmannes in Wien angeboten hatte.
Eugenia und René Fischer, Hans-Heinrich Otto und Hans-Joachim Rothe: Über den Briefwechsel zwischen Sigmund Freud und Nikolaj J. Ossipow traten sozusagen als literarisches Quartett auf, um die Bedeutung dieses Briefwechsels zu unterstreichen. Natürlich fehlte der Hinweis