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1965 veröffentlichten Abrahams Tochter Hilda und Freuds Sohn Ernst ungefähr die Hälfte der Briefe, die ihre Väter miteinander gewechselt hatten . Diese erste Publikation einer der großen Schüler-Korrespondenzen Freuds hatte erhebliche Mängel.1 Vor allem war sie gekürzt. Einige Kürzungen waren verständlicherweise diktiert durch ärztliche Diskretion und die Rücksicht auf lebende Personen, die entweder selbst oder deren Angehörige in den Briefen erwähnt werden. Außerdem aber strichen die Herausgeber systematisch zahlreiche Details über psychoanalytische Organisationen als von rein lokalem Interesse sowie andere, die sie als irrelevant für die Persönlichkeit der Briefpartner oder für ihr Werk einschätzten. Viele Streichungen purifizierten Freud, der sich mit ätzender Schärfe über die Frau von Fließ ausließ (»Geistreich-dumm, bösartig, positive Hysterika«: S. 230), der Jelliffe als »Gauner« (S. 279) und einen früheren Analysanden als »pathologischer Narr« (S. 750) bezeichnete. Zwei Punkte machen die damalige Textauswahl aus heutiger Sicht besonders kritikwürdig: 1. ist die institutionelle und persönliche Geschichte der Psychoanalyse in der Forschung immer wichtiger geworden; 2. wird der Dialog der Briefpartner in vielfacher Weise gestört, indem z. B. die Antworten auf Fragen, die gestellt, oder die Fragen zu Antworten, die gegeben werden, fehlen. Auch enthält die Ausgabe von 1965 Transkriptionsfehler (z. B. »Ödipuspassage« für »Ödipussage«: siehe S. 690), und einmal wird sogar das Ende eines Briefs an einen anderen angefügt (siehe S. 452 f.).
Ein Beispiel für die Problematik der Kürzungen ist der bedrückende Briefaustausch kurz vor Abrahams Tod, der beherrscht war von einem Konflikt um den psychoanalytischen Film Geheimnisse einer Seele, bei dem Abraham beratend mitwirkte, sowie um ein konkurrierendes Wiener Filmprojekt von Bernfeld und Storfer (siehe Ries ). Am 27. 10. 1925 verteidigte sich Abraham gegen den »Vorwurf der Schroffheit« (S. 848), den Freud eine Woche zuvor