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Die Broschüre enthält acht Aufsätze über Leben und Wirken des Ehepaars Rorschach. Den Anfang macht der Beitrag »Die Entstehungsgeschichte des Rorschach-Tests« von Rita Signer und Christian Müller - deren Edition von Rorschach-Briefen übrigens die Behauptung im Vorwort widerlegt, Biographie und Wirkungsfeld der Eheleute seien »bis heute weitgehend unbekannt geblieben«. Rorschach, Sohn eines Zeichenlehrers, war selbst ein begabter Zeichner, wofür der Beitrag eindrückliche Zeugnisse bringt. Signer und Müller beschreiben einerseits die Entstehung psychologischer »Testverfahren« gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die mit der Emanzipation der Psychologie als selbständiger experimenteller Wissenschaft zusammenhing (A. Binet), beleuchten aber auch kurz die Entwicklung des Rorschach-Versuchs in den USA: seine fortwährende Bedeutung in der Praxis sowie die Zweifel an seiner Wissenschaftlichkeit (S. 23). Hierzu ist anzumerken, dass die »Wissenschaftlichkeit« des Rorschachtests aus den gleichen Gründen umstritten ist wie die der Psychoanalyse, von der er abstammt. Auch seine Auswertung hängt wesentlich davon ab, wie gut es dem Untersucher gelingt, sich in die Versuchsperson einzufühlen. Die geniale Tat Rorschachs war, diese subjektive Seite der Auswertung mit der formalen Betrachtung zu verbinden, die sich in der Signatur der Antworten widerspiegelt. Der Begriff »psychometrische Exaktheit« ist etwas deplaziert angesichts eines Verfahrens, in dem die Intuition und der gleichsam künstlerische Blick des Untersuchers eine so große Rolle spielen. Hier liegt der Grund, warum der Rorschach-Versuch keine Chance hat, in einer Psychologie, die das Hauptgewicht auf diese Exaktheit legt, einen Platz zu finden.
In ihrem Aufsatz »Fleckenteufel und Schmierseife« geht die Kunsthistorikerin Ursula Badrutt von der Feststellung aus, dass der Rorschachtest in der Psychiatrie zwar an Bedeutung verloren habe, sich jedoch in der zeitgenössischen Kunst vielfältige Bezüge auf ihn finden. - Simon Steiner