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Das Buch der New Yorker Schriftstellerin (mit norwegischen Wurzeln) Siri Hustvedt, um das es hier geht,1 ist ein Sachbuch, aber auch eine persönliche Krankengeschichte. Ausgangspunkt ist ein Zitteranfall, den die Autorin 2½ Jahre nach dem Tod ihres Vaters bei einer Rede zu dessen Ehren erlitt, wobei sie klar bei Verstand blieb und weiterreden konnte. Die Zitteranfälle wiederholten sich unregelmäßig, vor allem bei öffentlichen Reden. In ihrer eigenen Krankheitsinterpretation holt Hustvedt nun weit aus. Ihre Ausflüge in die Neurologie, Psychiatrie und Psychoanalyse gehen auf jahrelange Beschäftigung mit diesen Disziplinen zurück, weil sie seit ihrer Kindheit mit neurologischen Störungen belastet war und daher neurologische Lehrbücher zu Rate gezogen hatte: wegen langanhaltender Migräne-Anfälle und -Status, Migräne-Auren, Fieberkrämpfen als Säugling, wegen eines epilepsieverdächtigen Anfalls und einer fokalen motorischen Störung (Zuckung) eines Arms im Erwachsenenalter, wegen eines anderen generalisierten Zitteranfalls ohne Bewusstseinsverlust, eines häufigen leichten Tremors in den Gliedern und Paraesthesien in den Extremitäten. Akustische (auditive) Halluzinationen bei ihr selbst, beim Vater, bei zwei der drei Schwestern und ihrer eigenen Tochter (in der Kindheit) lassen auf einen hereditären Hintergrund schließen. Hustvedt beschreibt sich als hochsensibel und mitfühlend. Ein lebensbedrohlicher Unfall kehrt in Rückfall-Erinnerungen (flash-backs) und Träumen wieder. Einschlägige Erfahrungen hat sie in Schreibkursen mit Psychiatrie-Patienten gesammelt und sich in der modernen Neurobiologie und Hirnforschung umgesehen.
Die Ärzte bescheinigen ihr, dass die Zitteranfälle nichts mit Epilepsie gemein haben. Hätte man sie aber vor etlichen Jahrhunderten noch des Hexenwahns mit bösen Folgen verdächtigt oder vor hundert Jahren der Hysterie, heute vielleicht nach anderem Sprachgebrauch der Konversions-oder einer dissoziativen oder somatoformen Störung? An der Frage, was dabei ps