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Zum 60. Geburtstag der Lindauer Psychotherapiewochen beauftragte der Trägerverein der jährlich stattfindenden
Tagung einen österreichischen Historiker, also einen doppelten Außenseiter, mit einer Darstellung von deren Geschichte. Die hier angezeigte Broschüre ist das Ergebnis dieses Auftrags. Ihr Schwergewicht liegt bei den Gründungsvätern der Tagung: Ernst Speer, dem eigentlichen Gründer, Berthold Kihn, Ernst Kretschmer, Gustav Richard Heyer und Johannes Heinrich Schultz - oder genauer: bei ihrer Affinität zu nationalsozialistischem Denken bzw. ihrer Beteiligung an Nazi-Verbrechen. Speer, Kretschmer und Schultz befürworteten die Zwangssterilisation z. B. von Psychotikern, Kihn und minder eindeutig auch Schultz wirkten als Gutachter beim »Euthanasie«-Programm mit, Heyer war ein erklärter Judengegner. Eine vergleichende, abwägende, kontextualisierende Diskussion dieser Tätigkeiten und Äußerungen wird von Mettauer nicht geboten; er bringt wenig mehr als Zitate, die offenbar nach ihrem entlarvend-belastenden Effekt ausgesucht sind. Die Kontinuität der Lindauer Wochen zur Nazi-Vergangenheit tritt dabei klar genug hervor.
Für die Geschichte der Tagung ab 1950, die auf ganzen 16 von 58 Seiten abgehandelt wird, hat der Autor dann wenig Interesse und Verständnis. Er erwähnt die Öffnung zum Ausland, die begrenzt war durch das Konzept eines rein deutschsprachigen Kongresses. Wichtig war die ständige Einbeziehung neuer therapeutischer Verfahren, vor allem der Gruppentherapie (ab ), aber auch der Verhaltens-, der Musik-, der Ehe- und Familientherapie, der Telefonseelsorge u. v. m. Ab 1959 wurde die Beschränkung der Teilnehmer auf Ärzte aufgehoben. Der Schritt signalisierte zugleich die allmähliche Ablösung der Tagung von Kretschmers Allgemeiner Ärztlicher Gesellschaft für Psychotherapie, deren Bedeutung z