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Elisabeth Young-Bruehl und Murray Schwartz haben neulich (2011) in der Psyche davon gesprochen, dass die Psychoanalyse Schwierigkeiten hat, ein historiographisches Bewusstsein von sich selbst zu entwickeln. Sie führen dies auf die vielen traumatischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts zurück, den Nationalsozialismus, die Vertreibung der jüdischen Psychoanalytiker aus Kontinentaleuropa, den Holocaust und den Tod ihres Gründers. Ebenfalls traumatisch, aber in anderer Weise, wirkten die vielen Spaltungsprozesse. Die deutsche Psychoanalyse leidet bis heute, was das Bewusstsein ihrer eigenen Geschichte betrifft, unter den Auswirkungen dieses kumulativen Traumas. Auseinandersetzungen um ihre Geschichte im Nationalsozialismus und um die Involvierung der in Deutschland verbliebenen Analytiker flammen immer wieder auf, wobei die beteiligten Affekte jeweils neu oder erneut begriffen werden müssen. Die Erforschung und Diskussion der Geschichte der Psychoanalyse nach 1945 stand lange im Bann und im Schatten jener Auseinandersetzungen. Trotz einiger einschlägiger Arbeiten ist die Nachkriegszeit weitgehend eine terra incognita geblieben, sieht man einmal von der Spaltungsgeschichte bis 1950 ab. Vor allem fehlen übergreifende, die Entwicklungslinien nachzeichnende Darstellungen. Erste Schritte dazu sind 2010 mit der Tagung »100 Jahre IPV - 100 Jahre institutionalisierte Psychoanalyse in Deutschland« gemacht worden. Dass etwas in Bewegung gekommen ist, zeigt sich auch daran, dass in den letzten Jahren drei Biographien zu Alexander Mitscherlich (Dehli 2007; Freimüller 2007; Hoyer 2008) erschienen sind. Ein weiteres Indiz ist nun die 2010 erschienene Studie von Simone Bley zu Leben und Werk von Felix Schottlaender. Mitscherlich und Schottlaender waren zwei der wichtigsten, die Nachkriegsentwicklung vorantreibenden Analytiker, sie arbeiteten zeitweise zusammen, wurden aber in den 1950er Jahren auch zu Antipoden in dieser Entwicklung.
Bleys Arbeit ist als Dissertation am Institut für