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Von Insidern schon lange erwartet, liegt nun die vollständige Ausgabe aller erhaltenen Briefe von Sigmund Freud an Alfred Adler vor (die Gegenbriefe sind verloren). Das Konvolut ist schmal und umfasst 30 teils recht kurze Schriftstücke. Abgesehen von einer kurzen Mitteilung über eine Patientin 1899 und der berühmten Postkarte aus dem Jahr 1902, mit der Freud Adler einlud, im kleinen Kreis der entstehenden »Mittwoch-Gesellschaft« einmal in der Woche »die uns interessierenden Themata der Psychologie und Neuropathologie zu besprechen« (S. 10; »der« fehlt in der Transkription), beginnt der eigentliche Briefverkehr erst 1905, in welchem Jahr er auch gleich seine größte Dichte erreicht (9 Stücke). Dann schläft er mehr oder weniger ein, um 1910/11 noch einmal intensiver zu werden.
Vorwiegend zwei Themen beherrschen die Briefe: anfangs der Austausch über PatientInnen, dann geschäftliche Dinge, vorwiegend das Zentralblatt für Psychoanalyse betreffend, das Adler mit Wilhelm Stekel unter der Herausgeberschaft Freuds redigierte. Dazu kommen ein paar Schriftstücke aus besonderem Anlass: die erwähnte Einladung; ein Kommentar zu einem Adler-Manuskript ; »Zeugnisse« für eine (zwei?) Stellenbewerbung(en); ein Brief vom 31. 1. 1908, in dem Freud Adler ersucht, seinen Austritt aus der Mittwoch-Gesellschaft zu überdenken - er sei doch »der stärkste Kopf der kleinen Vereinigung« (S. 30); eine Anregung, Adler solle 1910 am Nürnberger Kongress darüber sprechen, »ob die ΨA mit jeder Weltanschauung verträglich ist oder ob sie nicht vielmehr zu einer ganz bestimmten freiheitlichen, […] reformatorischen drängt, die notwendigerweise die Anhänger der ΨA zum Anschlusse an eine gewisse Partei im praktischen Leben auffordert« (S. 35). Von Interesse ist auch ein Brief von 1910 über Josef Breuer, in dem Freud zur »Vorsicht« im Umgang mit dem »Stiefvater […] der ΨA« rät (S. 41).
Die frühen Briefe sind geprägt von großer Wertschätzung, besonders spürbar in einem der Zeugnisse, in dem Freud Adler zu den