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Psychoanalyse - die letzte Neugründung einer Wissenschaft in der Moderne, die ihre Gründungsakte nicht nur beiläufig, sondern konstitutiv der Antike entnahm: diese These erforschte 2009 eine internationale Tagung in Berlin, deren 18 Beiträge hier unter psychoanalysehistorischem Fokus vorgestellt werden.
Spätestens seit Lydia Marinellis
Studien und Ausstellungen ist auch einem größeren Publikum bekannt, dass Freud ein geradezu besessener Sammler antiker Plastiken war. Seine über 2000 Stücke umfassende Privatsammlung bevölkerte vor allem sein Arbeitszimmer. Inge Stephan, Annegret Pelz und Carina Weiss gehen in ihren Beiträgen den verschiedenen Spuren von Freuds Sammelleidenschaft nach, im Bewusstsein, dass sein Interesse an antiker Kunst und Kultur weniger bildungsbürgerlichen Ansprüchen geschuldet war, als vielmehr die Genese seines Werks beförderte: In den Dramen, Tragödien und Mythen der alten Ägypter, Griechen und Römer fand er Theorien und Praktiken vor, die gewissermaßen das Material einer Psychoanalyse avant la lettre ergaben.
Der Psychoanalytiker als Archäologe der Seele - nach der Reichweite von Freuds Archäologie-Metapher aus dessen berühmtem Vortrag »Zur Ätiologie der Hysterie« fragt Andreas Mayer. Die Übertragung der Vorstellung vom Ausgraben und Freilegen einer verschütteten Stadt auf die Aufdeckung von Krankheitsursachen durch die Befragung der Patienten bedeutete den Bruch mit der neuropathologischen Schule Charcots und ihren psychiatrischen Verfahren. Freuds Denktransfer in die Praktiken der Archäologie bot zudem eine neuartige klinische Lösung für das Problem der Hysterie: Hysterische Phänomene wurden nicht mehr als Folge ärztlicher Suggestion oder als Simulantentum begriffen, sondern als ein seelischer Zustand, der mit sprachlichen Mitteln rekonstruiert werden kann.
Freuds Gradiva-Interpretation gibt Heinz Weiss Gelegenheit zu zeigen, wie umfassend sich Freud antiker Narrative zur Vermittlung seiner Theorien bediente und wie er sie mit seiner klinisc