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Am 4. Januar 2012 ist Gerhard Fichtner gestorben, die unbestrittene Zentralgestalt der deutschsprachigen psychoanalysehistorischen Szene. Sein Tod reißt eine große, schmerzliche Lücke. Ein Nachruf am Ende dieses Hefts versucht, seine Person und seine vielfältigen Leistungen in unserem Feld zu würdigen. -
Zum Heft: »Ich bin nicht immer Psychotherapeut gewesen, sondern bin bei Lokaldiagnosen und Elektroprognostik erzogen worden wie andere Neuropathologen«, schreibt Freud 1895 in einer der meistzitierten Passagen seines Werks, in der er den Vorwurf pariert, dass sich seine Krankengeschichten »wie Novellen« läsen. Selten wird jener Vordersatz ernst genommen, der den Punkt benennt, von dem aus Freud zum Psychotherapeuten und subtilen Darsteller seelischer Vorgänge wurde. Seine »voranalytischen« Schriften sind, mit bestimmten Ausnahmen, bis heute nicht nachgedruckt. Vermutlich aber werden seine Brautbriefe (1882-1886), deren fünfbändige Ausgabe im letzten Jahr zu erscheinen begonnen hat, nicht nur die Persönlichkeit des jungen Freud, sondern auch eben die voranalytische Phase seines wissenschaftlichen Lebens neu in den Fokus rücken.
Einer solchen Fokussierung dient der Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts. Im Zentrum steht die erstmalige Edition eines neurologischen Manuskripts, das Freud in wesentlichen Teilen noch 1885/86 während seines Studienaufenthalts bei Charcot in Paris verfasst hat. Die »Kritische Einführung in die Nervenpathologie« sollte eine kleine Monographie werden. Freud stellte darin zuerst die »Architektur des Nervensystems« dar, »das Centralgrau des Rückenmarkes nebst beiden von ihm ausgehenden Fasermassen, den Wurzeln und dem Markmantel«. Beim Übergang zum Gehirn selbst bekannte er, dass sich dieses durch seine Komplexität einer analogen Darstellung widersetze. Er scheint dann vor der Aufgabe kapituliert zu haben; das Manuskript blieb Fragment. Ein markanter Höhepunkt der Erörterungen ist eine Auseinandersetzung mit der Zentren- und Lokalisationslehre