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In ihrer Danksagung bekennen die Herausgeber, dass sich ihr »unzeitgemäß umfangreiches Editionsvorhaben« ohne die finanzielle Unterstützung der S. Fischer Stiftung nicht hätte realisieren lassen. Ihnen und dem Verlag gebührt höchstes Lob dafür, dass sie dem Zeitgeist so entschieden getrotzt haben: Der wissenschaftliche Apparat des Bandes ist umfassend und vorbildlich. Meine eigene Dankbarkeit für diese Leistung liegt allem Folgenden zugrunde - und auch die Hoffnung, dass die Edition durch ihr Vorbild vielleicht sogar den Geist der Zeit ein wenig beeinflussen könnte.
Um mit einem eigenartigen Detail zu beginnen: Auf dem vorderen Umschlag des Bandes sieht man das kleine Foto eines viktorianischen Paars. Die Frau steht, etwas befangen gradeaus blickend, die rechte Hand zögerlich, mit eingebogenen Fingern und so den vollen Kontakt vermeidend, auf die Schulter des Mannes gelegt. Er sitzt, den Blick zur Seite gewandt, den rechten Arm angewinkelt, als wolle er sich mit dem Ellbogen aus dem Bild stoßen. Bisher wurde dieses Foto auf das Jahr 1885 datiert (siehe E. Freud et al. 1976, S. 113), als Freud auf dem Weg nach Paris Wandsbek besuchte. Damals hatten sich die beiden Brautleute seit dreieinhalb Jahren intime Briefe geschrieben, und es kam mir immer seltsam vor, dass Martha trotzdem noch so scheu erschien. War das symptomatisch für ihre Beziehung oder bloß ein Reflex von Anstandsregeln ihrer Zeit?
Jean Bollack (2011) hat in einer sensiblen Rezension des Bandes die beiden Korrespondenten sorgfältig in ihren soziohistorischen Kontext gestellt. Aber wir müssen bei der Lektüre dieser Briefe auch unsere eigene Kontextualisierung bedenken, unser vermeintliches Wissen über das Paar. Und hier geht es vor allem darum, diesen sekundären Kontext wegzuschieben, die überlagernden Klischees aufzulösen - unser Galton'sches Bild von Freud, wie es sich aus den zahllosen Biographien und vermischten Untersuchungen, aus der Freud-Mythologie und der Aura der Geschichtsforschung zusammengesetzt