You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mit ihrer Habilitationsschrift legt die Schweizer Theologin Isabelle Noth eine ausgesprochen anregende und gut lesbare Studie vor. Sie fächert ein breites Panorama der Rezeption der Psychoanalyse in der Religions- und Pastoralpsychologie auf und lässt den Rezensenten und wohl auch andere psychoanalytische Leser staunen, wie differenziert anderswo über die Psychoanalyse nachgedacht wird. Die Welt, so vermittelt Noth, ist viel größer, als der Binnendiskurs der Analytiker nahelegt. Das betrifft nicht zuletzt das chronisch kontroverse Thema Religion.
Noth setzt zwei Schwerpunkte: einen historischen und einen zeitgenössischen. Im historischen zieht sie eine quasi alpenländische Linie zwischen der Schweiz und Österreich. Dabei erschließt sie Material von hohem Neuigkeitswert. Freuds Arbeiten zur Religion werden eingebettet in eine lebhafte zeitgenössische Diskussion, in der sich die Ursprünge der Religionspsychologie als eigenständiges Fach und ihre Verbindungen zur meist evangelischen Theologie artikulieren; dadurch bekommen sie Leben und Farbe. Die Begeisterungen und Kontroversen bei der Rezeption von Freuds Religionspsychologie werden von Noth anschaulich entfaltet. Aus der Schweiz stellt sie den reformierten Pfarrer und Analytiker Oskar Pfister und Hans Burri aus dem Kreis der dialektischen Theologie vor. Für beide hat sie unveröffentlichte Materialien aus den Nachlässen verarbeitet. Als Beispiel erwähne ich die mir bislang unbekannten Verbindungen Pfisters zum religiösen Sozialismus von Leonhard Ragaz und die engen Verknüpfungen früher Psychoanalytiker mit der sozialdemokratischen Bewegung.
Österreich kommt in zwei Facetten zur Geltung: einer katholischen, die wenig von der Psychoanalyse begeistert ist, in Gestalt des Ethnologen Pater Wilhelm Schmidt und des Innsbrucker Theologen Joseph Donat, und einer ausgesprochen differenzierten des Lutheraners Karl Beth. Dieser rief als Professor für Systematische Theologie an der Universität Wien 1922 das Forschungsinstitut für R