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Im März 2010 fanden in Deutschland gleich zwei Symposien zum hundertjährigen Bestehen der IPV statt, ein gemeinsam
von DPV und DPG veranstaltetetes in Berlin,1 und ein von der Jung'schen DGAP veranstaltetes im Grand Hôtel in Nürnberg, dem Ort der IPV-Gründung, dessen Beiträge im vorliegenden Buch versammelt sind. Während in Berlin praktisch nur Historiker und Psychoanalytiker zu Wort kamen, vereinigte die Tagung in Nürnberg Repräsentanten aller vier großen tiefenpsychologischen Fachgesellschaften (plus der DGPT), also neben Psychoanalytikern auch analytische und Individualpsychologen. Diese ›Kongress-Spaltung‹ wird freilich in dem Band mit einer Ausnahme nirgends erwähnt; einzig Martin Teising (DPV/IPV) bemerkt, man sei zu einer gemeinsamen Veranstaltung »nicht in der Lage« gewesen (S. 272).
Die Vorträge gliedern sich in zwei Gruppen: Die einen behandeln die Gründungsgeschichte, die Wahl einer bestimmten Organisationsform und die Institutionalisierungsgeschichte der Psychoanalyse, die anderen gehen von den damaligen klinischen Vorträgen aus und widmen sich Weiterentwicklungen der behandelten Thematiken.
Elke Metzner und Martin Schimkus geben in ihrer informativen Einleitung einen Überblick über den geschichtlichen Hintergrund der Ereignisse vor, in und nach Nürnberg. Dann skizziert Leibl Rosenberg die damalige Stellung Nürnbergs und speziell die Lage der relativ kleinen, aber wichtigen jüdischen Gemeinde. Exemplarisch schildert er das spätere Schicksal eines Referenten von 1910, Leopold Löwenfeld. Durch die folgenden Vorträge zieht sich wie ein roter Faden die Frage, warum gerade diese Vereinsform gewählt wurde. Friedhelm Kröll meint, dass die IPV, ähnlich wie andere damals aufkommende »voluntary associations«, die ihr Angehörenden eher als »Anhänger« denn als »Mitglieder« sah und sich einer religiös gefärbten Sprache bediente. Michael Ermann spricht von einem »Institutionskonflikt der Psychoanalyse« (S. 84), also dem Widerspruch zwischen ihrem tendenziell aufklärer