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Die Analytikerin Andreas-Salomé in den Mittelpunkt zu stellen, mit dem Versprechen einer »längst überfälligen Korrektur einer einseitig geprägten Geschichtsschreibung«, macht neugierig. Im Vorwort, in der »Einführung« und in der »Annäherung« geizt Wieder nicht mit Superlativen, obwohl dann der »biographische Prolog« für Kenner
nichts Neues, aber Neulingen immerhin einen passablen Überblick zur Orientierung bietet.
Nach dieser lebensgeschichtlichen Skizze folgt eine pointierte Schilderung der Beziehungen zu Rilke und Freud. Die Beziehungsdynamik zwischen Freud und Andreas-Salomé wird als ödipal interpretiert - beide hätten ein »Faible für eine Art Dreieckskonstellation« gehabt: sie habe permanent nach dem »Vatergesicht« gesucht, und Freud sei unbewusst »an die Mutter fixiert« gewesen. Zugleich macht Wieder auf die theoretischen Verbindungslinien zwischen der von Andreas-Salomé favorisierten »Urgrund-Theorie« und dem diskursiven Begriffsapparat der Psychoanalyse aufmerksam, die sich hier ergänzt hätten. Daran anschließend versucht sie, die Bruchlinien zwischen beider Ansichten zum weiblichen Ödipuskomplex aufzuzeigen. In ihrem Bemühen, die jeweiligen Denkfiguren besonders genau wiederzugeben, verläuft sie sich leider in einer bloßen Fülle von Zitaten. Gleichwohl gelingt es ihr, das Herzstück von Andreas-Salomés psychoanalytischem Denkkosmos, ihre Thesen zum Narzissmus, auch dem weniger Fachkundigen nahezubringen. Dass sich Andreas-Salomé damit von Freud abgegrenzt habe, wird aber durch die Aufzählung weiterführender bzw. modifizierter psychoanalytischer Entwicklungskonzepte von Laplanche bis Fonagy nicht überzeugender. Verwunderlich ist, dass ausgerechnet Lacan nicht genannt wird, dessen auf dem Narzissmus-Konzept basierender Ansatz den Subjektivierungsprozess um die Angelpunkte »Mangel« und »Begehren« ins Zentrum stellt: eine geradezu kongeniale Fortsetzung einer philosophisch unterfütterten Psychoanalyse à la Andreas-Salomé.
Die Besonderheiten der Liebe zwischen And