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Am 1. und 2. Oktober 2010 veranstalteten das Collegium Hungaricum und die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung in Berlin ihre zweite gemeinsame Tagung. Der vorliegende Band versammelt alle Tagungsbeiträge bis auf einen. War es beim ersten Treffen um »Psychoanalyse hinter dem Eisernen Vorhang« gegangen, abgehandelt vor allem anhand von Ungarn und DDR, lag der Schwerpunkt nun also in früherer Zeit und vor allem im damaligen Ungarn. Beleuchtet wurden insbesondere dortige Geschehnisse im letzten Weltkriegsjahr, während der zunächst bürgerlichen, dann kommunistischen Revolution 1918/19 und schließlich unter der im August 1919 einsetzenden faschistischen Horthy-Diktatur.
Die Beiträge erscheinen mir diesmal etwas disparater, ihr inhaltlicher Zusammenhang insgesamt weniger zwingend als beim vorhergehenden Treffen. Dennoch handelt es sich meines Wissens auch hier wieder um die bislang tiefgründigste Auslotung eines bedeutungsvollen Ausschnittes der Psychoanalyse-Geschichte. In der Einleitung des Buches spricht Franziska Henningsen sogar von einer seinerzeit gesetzten »Zäsur«: Viele hoffnungsvolle Entwicklungen hätten in Ungarn 1918 begonnen und seien mit dem Niederschlagen der »linken« Räterepublik bereits wieder beendet gewesen (S. 8 ff.). Letzteres wiederum führte dazu, dass gerade die Berliner Psychoanalytische Vereinigung durch ungarische Emigranten wie Franz Alexander, Michael Bálint (siehe den Beitrag von Peter Vogelsänger) und Melanie Klein (siehe den Beitrag von Claudia Frank) wichtigen Zuwachs erhielt. Es kam also in dieser Zeit nicht nur zu Auf-, sondern auch zu Abbrüchen, wie Henningsen bemerkt (S. 10). Aspekte der konfliktreichen Beziehung zwischen den Hauptrepräsentanten der Budapester und Berliner Psychanalyse, Abraham und Ferenczi, behandelt dann später im Buch Ernst Falzeder.
Von Ulrike May1 erfährt man im ersten Beitrag Details über die vor ihren Recherchen so gut wie unbekannte Lebensgeschichte des ungarischen Barons und Schriftstellers Viktor von Dirsztay,