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Als Thomas Mann 1924 in der Neuen Rundschau von seinem Besuch einer Séance bei Albert von Schrenck-Notzing berichtete, hatten die Experimente des Barons mit verschiedenen Medien bereits eine fragwürdige Berühmtheit erlangt. Die am Vorabend des Ersten Weltkriegs publizierte Studie über die Materialisationsphänomene des Mediums Eva C. hatten in München zu Kontroversen und Skandalen geführt. Obwohl Mann, der sich selbst als »positiven Skeptiker« in Sachen Okkultismus und damit als wohlwollenden teilnehmenden Beobachter bezeichnete, die von ihm miterlebten Vorgänge in Schrenck-Notzings Haus zuwider waren, ließ er die Frage nach ihrem Realitätsstatus offen: Indem er sie auf den Begriff der »Gaukelei« brachte, wollte er der »Alternative von Betrug und Wirklichkeit« entkommen. Was dem Schriftsteller experimentalwissenschaftlich unentschieden bleiben musste, fand er jedoch aus ethischen und ästhetischen Gründen verwerflich.
Im Hinblick auf eine erschöpfende Erklärung der okkulten Phänomene sind nachgeborene Historiker nicht unbedingt besser platziert als die Beobachter, die sich einst neugierig in Schrenck-Notzings Salon drängten. Ein gewisses skeptisches Wohlwollen ist jedoch für eine detaillierte Beschäftigung mit Leben und Werk des Barons zweifellos vonnöten. Angesichts der Fülle dieses Werks erstaunt es nicht, dass trotz diverser Ausstellungen und Bücher, die sich in den letzten Jahren mit der kulturhistorischen Bedeutung parapsychologischen Experimentierens befasst haben,3 bisher niemand eine eigene Monographie zu Schrenck-Notzing verfasst hat.
Die von Timon Kuff vorgelegte Dissertation beansprucht, die bereits den Zeitgenossen kurios erscheinende Phänomenologie der Parapsychologie kulturhistorisch zu erhellen, und stellt insbesondere die (schon von Th. Mann implizit gestellte) Frage, ob von einer genuin »okkulten Ästhetik« gesprochen werden kann. Das Buch zerfällt im Wesentlichen in zwei Teile, die durch den Bruch in Schrenck-Notzings Karriere biographisch vorgegeben si