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In den Jahren 1928 bis 1930 war Freud vier Mal für längere Zeit in Berlin (Tögel 2006, S. 87-118). Grund für diese Besuche war die Anpassung seiner Kieferprothese.
Im September 1923 hatte Freud erfahren, dass er Mundkrebs hatte (zu seiner Krankengeschichte siehe Schur 1973). Es folgte im Oktober/November eine Serie von drei radikalen Operationen, durchgeführt von dem Wiener Kieferchirurgen Hans Pichler. Als Ersatz für die entfernten Knochenteile fertigte Pichler eine Prothese an, die seinem Patienten das Essen, Trinken, Sprechen - und Rauchen ermöglichte. Da sich die Prothese als quälend unbefriedigend erwies und ständig angepasst oder erneuert werden musste, holte Freud Erkundigungen wegen anderer Optionen ein. Am 28. April 1927 schrieb er an seinen Sohn Ernst, der als Architekt in Berlin lebte (Freud 2010, S. 368): »Meine - neue - Prothese plagt mich noch sehr. Kannst Du erfahren, ob ein Prof. Schröder in Berlin, der ein Künstler in solchen Dingen sein soll, noch arbeitet?« Als im Frühjahr 1928 auch die fünfte Pichler-Prothese keine Besserung brachte, beschloss er »vielen Anregungen folgend« (Freud 2010, S. 619), es mit dem renommierten Kieferchirurgen Hermann Schröder (1876-1942) von der Berliner Charité (Tögel 2006, S. 89) zu versuchen. Stellvertretend für diesen kam sein Assistent Franz Ernst am 23. Juni nach Wien, um den prospektiven Patienten in Augenschein zu nehmen. Freud berichtete (Freud u. Eitingon 2004, S. 604): »Also Prof. Ernst […] hat wirklich in aller Nüchternheit versprochen, daß ich in etwa vier Wochen eine Prothese haben kann, die von den ärgsten Beschwerden frei macht, und läßt mich nun auf die Aufforderung warten, zu Schröder oder zu ihm zur Behandlung zu kommen. Ich denke, es wird noch in der heute beginnenden Woche geschehen, und wenn alles gut geht, kann ich anfangs August zurück sein.« Tatsächlich verzögerte sich dann die Reise nach Berlin bis Ende August.
Dieser erste der vier Berlin-Aufenthalte dauerte ziemlich genau zwei Monate