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Es ist wahrhaft ein dickes Buch geworden, 954 Seiten, ein Mammutwerk, ein Kompendium ostdeutscher Psychotherapiegeschichte, bestehend aus Texten von mehr als 70 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten der DDR - viele von ihnen waren die führenden Vertreter ihrer Fachrichtung -, die genau und sachlich, aber auch mit Anekdoten aus dem DDR-Alltag über ihre Arbeit schreiben. Zeitzeugenberichte sind darin angereichert mit Interviews und Archivmaterial. Der Herausgeber Michael Geyer hat eine bewunderungswürdige integrierende, sammelnde und ordnende Arbeit geleistet. Er war dazu auch besonders geeignet, verkörpert er doch sehr eindrucksvoll gelebte Ost-Psychotherapiegeschichte: 1943 bei Erfurt als Sohn eines Lederwarenfabrikanten geboren, studierte er Medizin und wandte sich früh der Psychiatrie, dann der Psychotherapie und Psychosomatik zu. In der DDR leitete Geyer seit 1983 die Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Leipzig (bis zu seiner Emeritierung ). Er hatte außerdem viele Funktionen in Fachverbänden: ab 1982 war er Vorsitzender der Gesellschaft für Ärztliche Psychotherapie der DDR (GÄP), von 1988 bis 1991 Generalsekretär der International Federation for Medical Psychotherapy. 1990 war er Mitbegründer des Sächsischen Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie Leipzig, dessen erster Vorsitzender er wurde und an dem er bis heute als Lehr- und Kontrollanalytiker wirkt. Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Leiter der Akademie für Psychotherapie in Erfurt und der Erfurter Psychotherapiewochen.
Für mich als ostdeutsche Therapeutin, die die Psychotherapiegeschichte der DDR seit ca. 1972 intensiv erlebt, erlitten und auch mitgestaltet hat, ist dieser Lebenslauf fremd und zugleich hochinteressant. Fremd, weil mir als Ost-68erin eine solche Karriere aus moralischen Gründen suspekt war (vgl. Simon u. Faktor 2000; Schneider u. Simon 2002). Hochinteressant, weil ich verstehen wollte, wie jemand, der sichtlich kein Kommunist war, sich so a