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Das vorliegende Heft ist de facto eine Monographie und damit für LUZIFER-AMOR ein singulärer Fall. Im Fokus steht Jenseits des Lustprinzips, eine der rätselhaftesten und meistdiskutierten Schriften Freuds, die eine bedeutsame Weichenstellung in der Entwicklung seines Denkens: den Schritt zu einer neuen Triebtheorie, markiert. Von ihr sind - eine Seltenheit in Freuds Œuvre - zwei wesentlich verschiedene Manuskriptfassungen überliefert. Auf diesen Sachverhalt beziehen sich die beiden umfangreichen, zusammengehörigen Beiträge des Hefts. Ihr innovativer Charakter und ihr Gewicht mögen ausnahmsweise den Verzicht auf die Vielfalt rechtfertigen, die eine Zeitschrift an sich ihren Lesern schuldet.
Am Anfang steht eine Neu-Edition des Jenseits, vorbereitet von Ulrike May und eingerichtet von Michael Schröter, die alle Textschichten von den Manuskripten der Erst- und Zweitfassung über die verschiedenen Druckausgaben bis zur Fassung letzter Hand abbildet. Diese Publikationsform stellt eine Premiere dar: die erste kritische Ausgabe eines Freud'schen Textes, in der die bekannten Textvarianten vollständig, ohne editorisch-autoritative Vorentscheidung über ihren jeweiligen Wert oder Unwert präsentiert werden. Im vorliegenden Fall lohnt sich ein solches Verfahren in besonderem Maße, weil Jenseits des Lustprinzips in seinem Werdegang besonders tiefgreifende Veränderungen erlebt hat. Mit der eigenständigen Wiedergabe der Erstfassung im Anhang der Edition wird außerdem ein bisher unbekanntes Freud-Manuskript erstmals gedruckt.
Im zweiten Hauptbeitrag führt Ulrike May einen gründlichen Vergleich der beiden erhaltenen Manuskripte des Jenseits durch. Sie hebt hervor, dass in der Erstfassung bereits die Idee von Trieben, die zum Tode drängen, vorkommt (nicht jedoch die Bezeichnung »Todestriebe«). Die Idee sollte einerseits dem klinischen Phänomen des im Kern analyseresistenten Wiederholungszwangs gerecht werden, der Freud vor allem an den traumatischen Neurosen aufgefallen war, und griff an