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Vor zwanzig Jahren berichtete Ilse Grubrich-Simitis (1993, S. 232-244) von einem Fund im Freud-Archiv in der Library of Congress (Washington)2. Sie hatte dort zwei Manuskript-Fassungen von Freuds Jenseits des Lustprinzips (1920g) entdeckt. Grubrich-Simitis’ Mitteilung wurde in Rezensionen ihres Buchs und in mehreren Aufsätzen erwähnt;3 niemand aber ist bisher dem Wink gefolgt und hat jene Fassungen einer genaueren Betrachtung unterzogen. Das soll hier geschehen.
Im Folgenden wird zunächst eine Identifizierung und Datierung der beiden Manuskripte versucht. Danach stelle ich die Hauptthese des Jenseits kurz vor, umreiße den Werkkontext, in den die Schrift gehört, und widme mich schließlich der Hauptaufgabe dieser Arbeit, dem Vergleich der beiden Fassungen miteinander und mit dem später in mehreren Auflagen gedruckten Text. Welche Überzeugungskraft meiner Auslegung auch zukommen mag, es wird sich jedenfalls zeigen, dass der langwierige und nun zum ersten Mal sichtbar gewordene Entstehungsprozess des Jenseits einen Einblick in die treibenden Kräfte von Freuds Theoriebildung erlaubt.
Auf die Literatur über Jenseits des Lustprinzips gehe ich in der vorliegenden Arbeit nur sehr selektiv ein und bedaure, dass ich mich nicht mit den vielen Beiträgen zum Todestrieb und zu Freuds Text auseinandersetzen konnte, weder mit der frühen kontroversen Rezeption noch mit Aufsätzen und Büchern aus späterer Zeit.4 Ich hoffe, dies bald an einem anderen Ort nachholen zu können.