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Siegfried Bernfelds Affinität zum Wort »Grenze« ist auffallend. Er verwendet es oft und in verschiedenen Zusammenhängen. Sein bekanntestes Buch, der Sisyphos, handelt von Grenzen, vor allem von den durch die gesellschaftlichen Bedingungen begrenzten Möglichkeiten der Erziehung. In diesem Sinn impliziert die Grenze eine absolute Trennung: Dahinter gibt es nichts, ist nichts möglich. Anders verhält es sich, wenn Bernfeld das Wort auf die Psychoanalyse bezieht. Hier kann er schreiben (, S. 109): »Der Verfasser des ›Sisyphos‹, der Psychologie des Säuglings‹, der ›Heutigen Psychologie der Pubertät‹ bekennt gerne, dass er versucht hat, die Grenzen der Psychoanalyse durch Sprünge über jene Schranken zu ermitteln, die ihr die Tradition setzt. Sei es, dass seine Sprungkraft zu klein ist, sei es, dass die Grenzen zu fern sind, er fühlte sich nirgends auf fremdem Gebiet.«
Sein Lebenslauf liest sich entsprechend: Der am 7. Mai 1892 in Lemberg geborene Siegfried Bernfeld, der nach Abschluss seiner Gymnasialstudien in Wien an den Universitäten Wien und Freiburg Pädagogik und Zoologie studiert hatte, wird zeit seines Lebens ein Suchender bleiben, gleichermaßen getrieben von Wissbegier wie - in den Jahren vor seiner Emigration - von Empörung gegen die Ungerechtigkeit der herrschenden Klassengesellschaft. Vom führenden Aktivisten der Jugendkulturbewegung zum kämpferischen Zionisten, vom Leiter des nachmals legendären Erziehungsexperiments »Kinderheim Baumgarten« zum Sekretär Martin Bubers, aus bürgerlichem Elternhaus, aber stets in prekären Lebensverhältnissen - Bernfeld hat sich in vielem schon versucht und dabei vieles erfahren, als er sich, noch keine 30 Jahre alt, als Nichtarzt in freier Praxis als Psychoanalytiker niederlässt, wobei er von Freud nicht nur ermutigt, sondern ganz praktisch unterstützt wurde (siehe Freud 2012).
Trotz lebenslanger Skepsis gegenüber der Verschulung der Ausbildung engagiert sich Bernfeld in den Einrichtungen der psychoanalytischen Bewegung in Wien und