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Dieses Jahrbuch ist ein aufregendes Buch über Psychoanalyse und Politik. Ich beschränke mich im Folgenden auf das Schwerpunktthema und lasse auch hier den theoriegeschichtlichen Beitrag von Uta Gerhardt über die Psychoanalyse-Rezeption des bedeutenden US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons außer Acht.
Der Band beginnt mit einer Arbeit des Historikers Daniel Pick mit dem Titel »Die Nazi-Seele im Visier?«. Ihn interessiert, ob und wie sich Psychoanalytiker
im Kampf gegen Hitler-Deutschland engagiert haben. Er schildert die Bemühungen englischer Psychoanalytiker, sich ein Bild von der Persönlichkeit von Rudolf Heß zu machen, der 1941 mit dem Fallschirm über England abgesprungen war, um dort eine »Ein-Mann-Friedensmission« (S. 27) zu starten. Er wurde ein privilegierter Gefangener und interessanter Patient. Psychoanalytiker, darunter der deutschsprechende Henry Dicks, redeten mit ihm und versuchten, Zugang zu seiner inneren Welt zu bekommen. Leider sagt uns Pick nichts zu den Ergebnissen dieser Untersuchung, die 1947 von Rees et al. als Fallstudie veröffentlicht wurde.
Die zweite Arbeit stammt von Knuth Müller, einem angehenden Psychoanalytiker, der über das Thema »Psychoanalytiker in US-Nachrichtendiensten« geforscht hat und in nüchtern wissenschaftlicher Prosa höchst irritierende Befunde auflistet. In der Kriegszeit war es zunächst darum gegangen, »sowohl den deutschen Faschismus als auch die japanische Bedrohung besser verstehen zu lernen, Möglichkeit der Verteidigung zu evaluieren, Strategien zur Bekämpfung zu sondieren und einzusetzen sowie Pläne für die Nachkriegszeit zu erarbeiten« (S. 44). Die Liste derer, die interessiert waren, an dieser ehrenvollen Aufgabe mitzuarbeiten, liest sich denn auch wie ein Who is who der IPA-Psychoanalyse. Es entstanden wichtige Arbeiten wie die ebenfalls in diesem Jahrbuch veröffentlichte Studie von Roger E. Money-Kyrle: »Anmerkungen zu Staat und Charakter in Deutschland« aus dem Jahr 1951. Money-Kyrle war 1945, zusammen mit