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Jeder psychoanalytische Kongress von 1908 bis 1938 hatte ein spezifisches Gepräge. Das gilt auch für den vierten, der am 7.-8. September 1913 in München stattfand. Auf ihm trat der Konflikt zwischen Freud und Jung bzw. zwischen Wien und Zürich mit offener Schärfe hervor. Freud und die Seinen arbeiteten seitdem auf eine Trennung hin. Ein Reflex des Konflikts war, dass von dem Münchener Treffen nie ein ausführlicher Bericht erschienen ist. Die Entdeckung des Torsos eines solchen Berichts bot den Anlass, ein Symposion zur Hundertjahrfeier des Kongresses am Ort des Geschehens, dem Hotel Bayerischer Hof, zu veranstalten. Es fand am 27. April statt, als gemeinsames Unternehmen des Forums der Psychoanalytischen Institute Münchens und der Redaktion von LUZIFER-AMOR. Die Beiträge zum Symposion, teilweise in ausgearbeiteter Form, bilden den Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts. Nur das Papier von Ulrike May über die Frage »Gab es wirklich gute Gründe für die Einführung der sadistisch-analen Phase? Zu Freuds Vortrag auf dem Münchner Kongress 1913« wird nicht abgedruckt, da es sich in der Sache mit einer früheren Publikation in Heft 47 dieser Zeitschrift überschneidet.
Zur Eröffnung beleuchtet Astrid Brundke das lokale Umfeld, in dem sich der Kongress abspielte, zentriert um den Gründer der Münchener IPV-Gruppe Leonhard Seif. Dieser nahm 1909 mit Jung Kontakt auf, der ihn bei mehreren Zürich-Aufenthalten in die Psychoanalyse einführte, einschließlich einer eigenen Analyse. Er kämpfte für Freud im 1909 gegründeten Internationalen Verein für medizinische Psychologie und Psychotherapie. Im Freud-Jung-Konflikt schwankte er hin und her, trat aber mit Jung 1914 aus der IPV aus. - Der Beitrag von Michael Schröter basiert auf dem erwähnten Kongressbericht von Franz Riklin, der elf Autoreferate aus der Reihe der 19 Kongressvorträge enthält; er wird mit einem zweiten Bericht am Ende des Themenschwerpunkts erstmals publiziert. Die Spannung zwischen Wien und Zürich war in München allge