You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
1911 fragte Wilhelm Stekel bei Arthur Schnitzler an, ob er nicht einige Träume zu seiner Abhandlung Die Träume der Dichter beisteuern wolle. Schnitzler antwortete: »Ihren Untersuchungen über Dichterträume sehe ich gewiss mit Interesse entgegen; aber aus Gründen, deren Erörterung zu weit führen würde, bin ich vorläufig nicht in der Lage über meine
eigenen Träume der Oeffentlichkeit Mitteilungen zu machen« (zit. S. 446). »Vorläufig nicht« - denn Schnitzler hatte längst begonnen, in seinem von 1879 bis 1931 geführten Tagebuch regelmäßig Träume niederzuschreiben. Möglich, dass er sich zu diesem Zeitpunkt auch schon mit dem Gedanken trug, seine Aufzeichnungen in einem Traumbuch zusammenzufassen, das dann als eigenständiges Werk publiziert werden sollte. Zwischen 1921 und 1931 jedenfalls hat Schnitzler systematisch Traumnotate aus seinem Tagebuch exzerpiert, stilistisch überarbeitet und größtenteils schon selbst in einem Typoskript zusammengefasst. Aufs Sorgfältigste ediert, ebenso umfang- wie aufschlussreich kommentiert und mit einem - auch für sich genommen - sehr lesenswerten Nachwort versehen, ist dieses Traumtagebuch nun im vergangenen Jahr erschienen.
Schnitzlers Traumaufzeichnungen umspannen den Zeitraum von 1875 - 13 Jahre war er da alt - bis zu seinem Tod 1931, ein ganzes Leben also. Die Länge der Texte variiert, von kaum anderthalbzeiligen Notaten bis zu solchen, in denen die Traumszenen über zwei Seiten erzählt werden; der überwiegende Teil der Texte umfasst etwa ein halbes Dutzend Zeilen. Eröffnet werden sie meist mit dem Datum der Niederschrift. Es folgt eine überwiegend im Präsens gehaltene Darlegung des manifesten Trauminhalts, die eher beschreibenden als erzählerischen Charakters ist - meist eine Abfolge von nur lose miteinander verbundenen Szenen und detaillierten Schilderungen der Orte und Interieurs, in denen sie sich abspielen, häufig flankiert von Reflexionen, von Wertungen durchsetzt (»sonderbar«, »düster«, »böse«, »lebhaft« u. dgl.). Eindrücke und