You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Titel dieses schön gestalteten Buches, das der israelische Psychoanalytiker und Historiker Eran Rolnik vorgelegt hat, entspricht nicht wirklich der Gewichtung des Inhalts: Zu dem durchlaufenden roten Faden hätte etwas wie »Der Zionismus und Freuds Psychoanalyse« besser gepasst. Bis man sich an die erwartete Thematik, die Geschichte der Psychoanalyse in Palästina bis ca. 1950, herangelesen hat, ist fast die Hälfte des Buches vorbei. Der Leser wird zunächst durch überraschende, aber auch jedes Mal spannende Gebiete geführt, die die Entwicklung der zionistischen Idee beeinflusst haben. Die Psychoanalyse und der Marxismus waren zwei der wichtigsten Ideengeber für das Vorhaben, dem jüdischen Volk eine neue, alte Heimat zu geben und dort den »Neuen Menschen« in einer dem Judentum besser entsprechenden Gesellschaftsform zu schaffen. So geht es in diesem Buch lange nicht, und später auch nicht durchgängig, um die Geschichte der Psychoanalyse und ihrer Protagonisten, sondern darum, was von Freuds Lehre von wem auf welche Weise genutzt, vereinnahmt oder abgelehnt wurde, um das zionistische Projekt voranzubringen.
Beispielsweise verfolgt Rolnik die Erklärungsansätze, die jüdische und nichtjüdische Mediziner und Wissenschaftler Ende des 19. Jahrhunderts fanden, um »die jüdische Eigenart und Andersartigkeit« entweder als »Zeichen für Krankheit und Degeneration oder als Merkmal besonderer Intelligenz und höchster Geistigkeit« (S. 31) zu werten. Auf dem zweiten Zionistenkongress 1898 wurde der Zionismus als »politische Medizin für die Erneuerung des Körpers des jungen Juden« bezeichnet. Freud übrigens weigerte sich, an derlei Überlegungen teilzunehmen, und schwieg sich über die Religionszugehörigkeit seiner Patienten aus. Rolnik macht auch deutlich, wie viele verschiedene und zum Teil widersprüchliche Strömungen es innerhalb der jungen zionistischen Bewegung von Beginn an gab. Es trafen sich Repräsentanten der neuromantischen Jugendbewegung, der Reformpädagogik, des Marxismus u