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Pierre Janet , anerkannt für die Entwicklung des Konzepts der traumatischen Dissoziation,2 gilt vielen als ein »Vorläufer« oder als »Konkurrent« Freuds. Beides verengt und verzerrt den Blick auf sein Werk.
Janets Beschreibung der traumatogenen Dissoziation ist nur eine von zahllosen Beschreibungen psychischer Erscheinungen, denen man in seinem Werk begegnet, und im Begriff des »Vorläufers« ist impliziert, dass das oder der Eigentliche nach ihm und in seiner Linie folgte.
Mit Prioritäten aber hat sich Janet nicht prioritär befasst. Durchgehend bespricht er Freuds Beiträge - beginnend mit der Freud-Breuer-Arbeit von 1893 - respektvoll, interessiert, freilich nicht unkritisch.3 Seine prinzipiellen Vorbehalte gegenüber der Psychoanalyse betreffen das Problem der Vor-Annahmen und sind in erster Linie methodischer Natur. Außerdem hat ihm die psychoanalytische »Praxis der Exkommunikation der Häretiker« missfallen (, S. 256).4 Angesichts von Freuds eigentümlichen Prioritätsansprüchen im Gebiet der Neurosenlehre hat er sich freilich von Anfang an auch um die eigenen gekümmert.5
Als Freud 1885/86, nachdem ihm die Chance entgangen war, als Entdecker der Lokalanästhesie mit Kokain berühmt zu werden, für vier Monate nach Paris kam, stand Janet gerade am Anfang einer glänzenden Karriere.