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Anlässlich des 150. Geburtstags von Lou Andreas-Salomé wurden »ihr zur Feier« ihre gesammelten Aufsätze und Essays neu herausgegeben. Die Edition umfasst Arbeiten aus den Bereichen Religion, Philosophie, Literatur sowie - im vorliegenden Band - Texte zur Psychoanalyse. Letztere stellen eine überarbeitete Neuauflage der Sammlung dar, die unter dem Titel »Das ›zweideutige‹ Lächeln der Erotik« von denselben Herausgeberinnen schon 1990 vorgelegt wurde. Titelgebend und Herzstück des Bandes ist die Schrift Mein Dank an Freud, die Andreas-Salomé 1931 zu Freuds 75. Geburtstag verfasste. In ihr kulminiert, synthetisiert und ergänzt sie in verschwenderischer Geste die Gedankenfunde, die sie schon 1913-1928 in sieben Aufsätzen veröffentlicht hatte. Diese Aufsätze, die Dankesschrift sowie zwei Rezensionen, fünf Tagebucheintragungen und neun Skizzen aus ihrem Arbeitsjournal bilden den Inhalt des Buches. Ergänzt wird das Ganze durch erläuternde Kommentare und ein Nachwort, das dem Leser hilft, Zugang zu den Texten zu bekommen.
Das ist nötig, denn »lesbar« im herkömmlichen Sinn sind die Arbeiten der von der Philosophie herkommenden Psychoanalytikerin nicht. Stattdessen scheinen bei der Lektüre Verständnisfetzen auf, um sich Trauminhalten gleich schnell wieder zu entziehen. Geprägt von jahrelangem Ringen um lebendige, wahrhaftige Sprache gleichen ihre teils »geist«reichen, teils im Alltagsjargon formulierten, oft verschachtelten und im Superlativischen sich verlierenden Gedanken- und Satzkonstruktionen eher dem Inhalt eines Schatzkästchens, den der - manchmal irritierte - Leser bestaunen darf. Diese Sprache ist sowohl Stil als auch Inhalt: Sie soll möglichst viel, auch des scheinbar Gegensätzlichsten, enthalten.
An das von ihr geschilderte Kindheitserleben sich erinnernd, in dem Wirklichkeit und lebendige Phantasie spielerisch verschwimmen, nimmt Andreas-Salomé uns mit an den Ort, der ihr »Heimat« ist. In ihm erkennt sie ihren »Urgrund« und, ganz spinozistisch, die Ur-Substanz eines