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Mit der Erweiterung der Redaktion von LUZIFER-AMOR, die 2014 in Kraft getreten ist, war die Absicht verbunden gewesen, das Themenspektrum der Zeitschrift zu erweitern, nicht zuletzt in Richtung Zeitgeschichte. Das vorliegende Heft ist ein erstes Ergebnis dieser Öffnung - die zugleich eine Rückkehr zu früheren Perspektiven bedeutet: 13 Jahre nachdem in LA 28 zum ersten Mal das Thema »Psychoanalyse und Studentenbewegung« behandelt worden war, haben wir die Psychoanalyserezeption in der westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre erneut aufgegriffen. Die damaligen Ereignisse befinden sich zurzeit in einem historiographischen Zwischenraum: Sie werden einerseits bereits von jüngeren Historikern bearbeitet, andererseits noch von Autoren beschrieben, die als Beobachter oder sogar als Akteure selbst an ihnen beteiligt waren. Die Spannung zwischen diesen beiden Polen, die auch eine zwischen den Generationen ist, kommt in den drei nachfolgenden Schwerpunkt-Beiträgen zum Ausdruck. Wir haben sie so angeordnet, dass sich ein Gefälle von der Distanzierung des Historikers zum Engagement des Beteiligten abzeichnet. Beide Einstellungen erweisen sich, wie wir finden, auf je spezifische Weise als fruchtbar.
Offenbar war die Gründung antiautoritärer Kinderläden eine der bleibenden Errungenschaften jener Zeit. Sie hat sich deshalb - ungeplant - als Fokus des neuerlichen Themenschwerpunkts »Psychoanalyse und Studentenbewegung« herausgeschält. Anthony D. Kauders findet u. a. aufgrund seiner Recherchen im APO-Archiv der FU Berlin, dass insbesondere die sexualökonomischen Schriften Wilhelm Reichs als Kompass der Kinderladenerziehung dienten, wobei sie von der libertären und der szientistischen Fraktion unterschiedlich verstanden wurden. Uta Gerhardt fasst neben den Kinderläden auch die Kommune 2 und den Aktionsrat zur Befreiung der Frau ins Auge und untersucht ebenso detailliert wie kritisch anhand von Protokollen und Dokumenten, auf welche Weise dort Psychoanalyse verstanden und verwen