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Dieser zweite Band der auf fünf Bände angelegten Ausgabe der Brautbriefe von Sigmund Freud und Martha Bernays führt uns vom 12. Juli bis zum 31. Dezember 1883. Er umfasst 278 Briefe aus fünfeinhalb Monaten. Da es im ganzen ersten Jahr der Korrespondenz nur 231 Briefe gab, heißt das, dass sich die Frequenz mehr als verdoppelt hat. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Im größten Teil des vorangegangenen Jahres lebte Martha in Wien, so dass sich das Paar regelmäßig treffen konnte. Mitte Juni 1883 aber holte »Mama« (Emmeline Bernays) ihre beiden Töchter zurück ins heimatliche Wandsbek bei Hamburg; die Verlobten sahen sich erst im September 1884 wieder. Damit veränderte sich die Bedeutung ihrer Korrespondenz. In der Zeit des zweiten Bandes (und darüber hinaus) sind Briefe die einzige Lebensader ihrer Beziehung, alles, was zwischen ihnen geschieht, muss auf dem Papier geschehen. Für die beiden Schreiber hat diese erhöhte Frequenz und Intensität zur Folge, dass sie die Briefe des anderen noch genauer durchforschen, nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf das möglicherweise Nicht-Gesagte hin.
Während des ganzen Briefwechsels geraten die Liebenden oft wegen emotionaler Diskrepanzen in Streit. Der erste große Aufruhr der neuen Phase, Anfang August 1883, wurde ausgelöst, als Freud in Martha zu dringen begann, ihm »den letzten Rest der Fremdheit« zu opfern (275F). Er hatte das Gefühl, sie sage nicht, was sie empfand, und liebe ihn weniger als er sie. Diese Auslegung ihrer Briefe macht Martha fassungslos, worauf er konzediert, dass es seine eigene Schuld war. Der Fehler aber sei nicht seine Auslegung gewesen, sondern sein Stil. Solange sie sich in Wien sehen konnten, ließen sich solche brieflichen Missverständnisse im direkten Kontakt leicht aufklären. Jetzt lassen sich die Liebesqualen nicht mehr durch persönliche Begegnungen lindern, sie müssen langwierig-akribisch in Worte gefasst, analysiert und reflektiert werden. In seiner Entschuldigung gibt Freud zu, dass seine Ausdruc