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Fast zeitgleich mit der deutschsprachigen Biographie von Karin Zienert-Eilts erschien im Sommer 2013 Anna Bentincks niederländische Arbeit über Karl Abraham. Die zeitliche Koinzidenz, aber auch die Aufmachung der Bücher - beide Einbände prägt das Foto Abrahams aus dem Jahr 1922, dem Gruppenbild des »Geheimen Komitees« entnommen - lassen weitere Gemeinsamkeiten, vielfältige Wahlverwandtschaften vermuten, wenn nicht gar befürchten. Doch zeigt der vergleichende Blick recht rasch, dass die zwei Untersuchungen mehr trennt als verbindet. Das gilt zuallererst für die differenten Sprachen, die sie in der psychoanalytisch interessierten Öffentlichkeit in ungleicher Weise sichtbar bzw. unsichtbar machen. Die Unterschiede sind vor allem aber inhaltlicher Art. Will die eine, die deutsche Autorin, Abraham inmitten eines sozial-psychologischen Beziehungsgeflechts lokalisieren, ihn primär gruppendynamisch und affekt-analytisch im engsten Kreis um Freud verorten, so hat Anna Bentinck van Schoonheten ein biographisch-wissenschaftsgeschichtliches Motiv: »Life and work« so umfassend fundiert wie möglich zu präsentieren. Sie lässt Abraham im Kontext der sich entwickelnden Psychoanalyse und deren insbesondere von Freud motivierten Problem- und Fragestellungen als einen selbständig die Psychoanalyse mit ausbauenden, zunächst psychiatrisch qualifizierten Mediziner, als Organisator der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung und engagierten Analytiker und Ausbilder, aber auch punktuell als sehr zugeneigten Ehemann und engagierten Vater sichtbar werden. Das Resultat sind zwei sehr ungleiche Untersuchungen, die im Wittgenstein'schen Sinne zwar Familienähnlichkeiten (»ein Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen«) aufweisen, die sich aber gerade auch ganz unabhängig voneinander lesen und beurteilen lassen.
Anna Bentincks Biographie, von der Amsterdamer Psychoanalytikerin an der Universität Leiden als Dissertation verteidigt, nimmt im Titel Freuds Charakterisierung Abrahams