You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das diesjährige Symposion fand zum fünften Mal in der »Hörsaalruine« des Berliner Medizinhistorischen Museums statt, womit es sich bereits eine kleine Tradition geschaffen hat.
Zum Auftakt berichtete Anna Lindemann (Wien) über Freuds Kokainforschungen im zeitgenössischen wissenschaftlichen Kontext, ein Auszug aus ihrem Dissertationsprojekt. Kokainforschung gab es schon lange, bevor Freud seine Schrift »Über Coca« publizierte. Alle damaligen Kokainforscher hatten Selbstversuche gemacht und dabei die lokalanästhetischen und stimulierenden Wirkungen der Droge hervorgehoben. Bis 1887 nahmen auch andere Forscher als Freud an, dass Kokain nicht süchtig mache, und setzten es besonders beim Morphium-Entzug ein. Freuds Vorgehen, z. B. auch die methodische Verwendung einer Einzelfalldarstellung, entsprach durchaus dem zeitgenössischen Standard.
Den Samstag eröffnete Michael Schröter (Berlin) mit einer historisch-soziologischen Untersuchung Von der »Ortsgruppe Berlin« zur »Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft«: Die nationale Zentralisierung der Psychoanalyse in Deutschland bis 1933. In klarer Strukturierung zeigte er auf, wie die Berliner IPV-Gruppe nach 1918 zunehmend eine nationale Zuständigkeit für alle in Deutschland lebenden Psychoanalytiker beanspruchte und landesweit ihre Ausbildungsstandards durchsetzte. Wer in die DPG aufgenommen werden wollte, musste sich in Berlin mit einem Referat vorstellen und bewähren. Das führte zu Konflikten, insbesondere mit der Frankfurter Gruppe, die vorhatte, ein eigenes Ausbildungsinstitut zu gründen.
Harry Stroeken (Utrecht) stellte in seinem Vortrag Entwicklung und Neubeginn der Niederländischen Psychoanalytischen Vereinigung von den 1930er Jahren bis 1950 dar, wie die Geschichtsforschung für eigene Zwecke eingesetzt werden kann, auf Kosten der historischen Wahrheit. So habe Han Groen-Prakken, eine führende Vertreterin der niederländischen psychoanalytischen Vereinigung, den früheren Vorsitzenden Johan van Ophuijsen in einer unzuläss