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Freud zählte den ungarischen Psychoanalytiker Franz Alexander zu den »stärksten Hoffnungen« für »die Zukunft« der Psychoanalyse (S. 185). Zugleich warnte er seinen jungen Schüler am 17. 5. 1926 davor, »zu resigniert und zu bescheiden« zu sein, standen ihm doch Aufgaben bevor, die weit über »die Ausarbeitung und Zusammenfassung des bestehenden analytischen Wissens« hinausgingen (S. 185).
Und tatsächlich legte Franz Alexander nicht nur ein umfangreiches und vielseitiges Werk vor, sondern auch eine Brillanz und Virtuosität an den Tag, die ihn zu einem der brillantesten Vertreter der Psychoanalyse machen. Alexanders sprudelnde Kreativität und Begeisterung werden von Helen Ross folgendermaßen beschrieben: »No fisherman ever told his admiring followers about his latest catch with greater enthusiasm, no chess player a series of successful moves with more accuracy and pleasure« (S. 48). Wie kommt es aber, dass Alexander bei all seinen Pionierleistungen und Verdiensten um die Psychoanalyse ins Abseits geriet und vom »hochwertigen Psychoanalytiker« zum »Abtrünnigen« (S. 10) wurde? Und wie verlief seine Gratwanderung zwischen der Zugehörigkeit zur Psychoanalyse und der für ihn lebenswichtigen Existenz eines »unabhängigen Denkers« (S. 31)?
Angesichts der spärlichen Forschung über Alexander war ein Buch wie das von Imke Melcher - eine Dissertation, die an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt entstanden ist - überfällig und somit sehr willkommen. Zudem unternimmt Melcher eine deutliche Umakzentuierung: Sie richtet die Aufmerksamkeit nicht auf Alexanders Psychosomatik, sondern auf dessen Beitrag zur psychoanalytischen Psychotherapie. Ihre Hauptthese lautet, »dass Franz Alexander als ein wichtiger Vordenker und Wegbereiter der modernen Psychotherapie betrachtet werden kann« (S. 90).
Melcher hat Zeitzeugen, Kollegen und Verwandte Alexanders in den USA und in Budapest aufgesucht und auch eine umfangreiche Bibliografie einschließlich