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Erich Fromm ist kein Autor, dessen Werk dem Vergessen mühsam entrissen werden müsste. Dafür sprechen schon die hohen Verkaufszahlen von Taschenbüchern, die immer noch gern gelesen werden, wie Die Kunst des Liebens , Die Furcht vor der Freiheit und Haben oder Sein . Dass die ganze Bandbreite dessen, womit Fromm sich als Therapeut und Sozialpsychologe, als
Gesellschaftskritiker, Friedensaktivist und Sozialphilosoph befasst hat, einem größeren Leserkreis vertraut wäre, wird man freilich nicht behaupten können. Nahezu unbekannt sind z. B. die empirischen Untersuchungen, die er während der Zeit am Frankfurter Institut für Sozialforschung sowie später an der Nationalen Autonomen Universität in Mexico durchgeführt hat, und auch über seine therapeutische Arbeit als Psychoanalytiker wissen wir nicht allzu viel - aus dem einfachen Grund, weil er selbst kaum etwas dazu veröffentlicht hat. Ähnlich lückenhaft ist unsere biografische Kenntnis von Fromm. So konnte man bisher zwar das Wichtigste in den beiden von Rainer Funk verfassten Bild-Monografien (Reinbek und Stuttgart ) nachlesen; trotz zahlreicher Sammelbände und Einzelstudien mangelt es jedoch bisher an einer umfassenden Biografie. Der amerikanische Historiker Lawrence J. Friedman, der an der Harvard University gelehrt und u. a. auch Biografien zu Erik H. Erikson und Karl Menninger veröffentlicht hat, sucht hier eine Lücke zu schließen. Sein umfangreiches Werk, das im Original unter dem Titel The Lives of Erich Fromm - Love's Prophet erschienen ist, soll - wie es im Titel der deutschen Übersetzung heißt - die maßgebliche Fromm-Biografie liefern.
Friedmans Buch basiert auf langjährigen Recherchen in den Archiven, d. h. nicht nur im Tübinger Erich Fromm Archiv, das den umfangreichen, bisher unveröffentlichten Briefwechsel enthält, sondern auch in der New York Public Library und anderen Sammlungen in den USA. Da aus der frühen Zeit in Deutschland kaum noch Dokumente existieren und Fromms Ehefrau Annis nach seinem Tod einen