You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieser schmale Band, welcher zur Hälfte aus Bildbeilagen besteht und sich mit Äußerlichkeiten von Keksdosen, Waschmitteln und schönen französischen Autos beschäftigt, fordert mit Recht das Interesse der psychoanalytischen Geschichtsforschung für sich ein, da er diese bunte Reihe um die Äußerlichkeiten des »Internationalen Psychoanalytischen Verlages« bereichert und in den Mittelpunkt der Untersuchung stellt. Zwischen den beiden Weltkriegen kennzeichneten dieser Verlagsname, seine Ödipusvignette und, wie Windgätter betont, seine spezifische Einbandgestaltung den offiziellen, von Freud autorisierten Kanon psychoanalytischer Literatur und wirkten als wichtige Propagandamittel über die eigenen Fachkreise hinaus. Durch die Produktgestaltung werde, so der Autor, die Beziehung der Analytiker, Laien, Bibliotheksbesucher und Schaufenstergucker zum Produkt gestaltet - noch bevor das Buch aufgeschlagen, geschweige denn gelesen wurde. Analog beansprucht Windgätter auch für seine Untersuchung eine »Pragmatik des Nicht-Lesens«, eine nicht gering zu schätzende Oberflächlichkeit. Bücher seien gefaltete Oberflächen, und um diese zu analysieren, »braucht es keine Hermeneutik, sondern eine Vorstellung von der Manipulation graphischer Elemente«.
Methodisch bezeichnet Windgätter seinen Umgang mit Namen, Farben, Typen und Linien als Epistemologie des Undurchsichtigen, des Lesers Schmunzelns wegen gar als Physio-Analyse. Die Summe dieser Elemente sei nicht schlicht additiv, sondern integrativ im Sinne ihrer klischeehaften Wahrnehmung zu betrachten: Die spezifische Kombination von schwarzer Type (Cochin Antiqua) auf gelber oder oranger Oberfläche und einheitlicher Einbandgestaltung wirke geradezu als »konditionierte Visualisierung«: dieses Objekt ist ein Stück authentische Psychoanalyse. Mit derart ausgefeiltem »Corporate Design« war der Verlag durchaus seiner Zeit voraus, welche erst allmählich begann, sämtliche Produkte, so auch das Buch, auf Schaufenstertauglichkeit hin auszurichten. Da