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Die Zerstörung von Magnus Hirschfelds Berliner Institut für Sexualwissenschaft durch die Nationalsozialisten hat den Verlust einer unermesslichen Menge von Quellen zur Geschichte dieser bedeutendsten Einrichtung der frühen Sexualforschung in Deutschland zur Folge gehabt. Es ist bis heute nicht ganz klar, was alles im Frühjahr 1933 nach mehreren Durchsuchungen und »Aktionen« in die Hände des NS-Regimes fiel und unterging. Kaum mehr Gewissheit besteht aber auch darüber, was mit denjenigen Dokumenten passiert ist, von denen man inzwischen weiß, dass sie nach Frankreich ins Exil hatten gerettet werden können. Hierzu zählen u. a. die Tagebücher des Sexualwissenschaftlers, deren Spur sich schon bald nach seinem Tod 1935 verliert.
Der bekannte Hirschfeld-Forscher Ralf Dose hat nun ein Dokument ediert, das im Jahr 2003 überraschend aufgetaucht ist: ein Notizbuch, das Hirschfeld von 1928 an als »Testament. Heft II« führte und bis kurz vor seinem Tod in regelmäßigen Abständen fortschrieb. Die Überlieferung verdankt sich der Verkettung glücklicher Zufälle. Das Dokument wurde vor 20 Jahren in Vancouver vor dem »sprichwörtlichen Müllhaufen der Geschichte« bewahrt, als einem Nachbarn außergewöhnliche Dinge aus einer ausgeräumten Wohnung auffielen. Sie stammten aus dem Besitz des 1994 verstorbenen Hirschfeld-Schülers Li Shiu Tong, über dessen weiteren Lebensweg nichts Sicheres bekannt gewesen war. Von der 1994 in einer Internet-Newsgroup platzierten Nachricht über den Fund dieser Unterlagen bekam jahrelang niemand etwas mit. Es war am Ende der Zufall eines Tippfehlers, der Dose im Jahr 2002 auf die Nachricht aus der Steinzeit des Internets stoßen ließ.
Dass von den geretteten Dokumenten das »Testament. Heft II« jetzt eine historisch-kritische Aufbereitung erfahren hat, ist unbedingt zu begrüßen. Es nimmt unter allen bisher bekannten Ego-Dokumenten Hirschfelds - gerade an handschriftlichen sind es nicht allzu viele - einen besonderen Platz ein. Das hängt mit dem hybriden Charakter