You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Geschichte beginnt Anfang der siebziger Jahre. Den Schauplatz bildet das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, ein Quellort der Studentenrevolte. Gleichzeitig herrscht hier noch der legendäre Politikwissenschaftler Professor L. - in dem wir Richard Löwenthal erkennen können, Remigrant und einer der Stifter der Westberliner Politologie -, dessen Seminare die Revolutionäre für agitatorisch-destruktive Auftritte nutzen, während er bei Empfängen in seiner Villa den höfischen Geist der alten Ordinarienuniversität pflegt.
Sein Favorit unter dem wissenschaftlichen Nachwuchs ist Ulrich,2 schon über 30, ein Spezialist für die Auslegung von sowjetkommunistischen Offizialäußerungen, Parteiprogrammen, Parteitagsreden etc. Kein besonders vitalisierender Stoff, für dessen hermeneutische Bearbeitung Ulrich aber höchste, schon früh auch internationale Anerkennung erhält. Am liebsten liest er Thomas Mann und kann jederzeit mit Zitaten dienen. Er ist selber so hübsch und schön wie Joseph. Felice, Anfang 20, auf unentschlossene Weise zum Studium am Otto-Suhr-Institut entschlossen, sucht Ulrichs Beratung in einer seiner Sprechstunden. Sie verliebt sich auf Anhieb. In Erinnerung behält sie die kleine Wunde am Hals, die er sich wohl beim Rasieren zugezogen hat; später wird er, wenn sie ihn besucht, oft Nasenbluten bekommen.
Sie bewegt sich schüchtern durch ihr Leben. Zuweilen bilden sich Gedichtzeilen in ihrem Kopf, und sie wird, auf Initiative eines Freundes, tatsächlich einen Gedichtband veröffentlichen. Allerdings nur diesen einen; später hat sie gelernt, alle sich aufdrängenden Formulierungen zu unterdrücken. Sie wird ihr Berufsleben als Bibliothekarin verbringen.
Zu ihrem eigenen Erstaunen gelingt es ihr, den hübschen und schönen Ulrich zu gewinnen. Es entsteht ein gemeinsames Liebesleben, auch wenn die Geschlechtsfreuden undeutlich bleiben. Felice stört sich nicht daran; gemeinsame Lesestunden mit Thomas Mann; Ironie ist Ulrichs Grundgestus. Und es gelingt ihr sogar, i