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Den in Zürich geborenen Historiker Anthony D. Kauders leitet die »Rolle der Romantik im deutschen Denken über die Psyche« (S. 16) zu der Ausgangsthese, dass die Freud-Rezeption in Deutschland einen beispiellosen Konflikt über die Konstitution des bürgerlichen Subjekts widerspiegelt, einen einzigartigen Komplex bezüglich der Möglichkeiten und Grenzen des Unbewussten, des Anspruchs auf Einheit und der Überwindung des eigenen Ichs. Das Studium dieser Rezeption bzw. dieses Komplexes könnte folglich »wertvolle Hinweise zum Verständnis der deutschen Gesellschaft« (S. 11) liefern. Als Anhänger so genannter »New Freud Studies« (S. 287), die sich auf die Berichterstattung über eigentümliche Rezeptionen psychoanalytischen Wissens beschränken möchten, rekonstruiert Kauders die spezifische Dramaturgie des Freud-Komplexes anhand sechs historischer »Deutungszäsuren« (S. 12) in den Jahren 1913, 1930, 1938, 1956, 1967 und 1985, für die inhaltliche Gliederung des Buches entsprechend als die Kapitel Sexualität, Seele, Rasse, Wiedergutmachung, Kindheit und Vergangenheit paraphrasiert.
Die Geschichte beginnt auf der Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Psychiatrie in Breslau und somit bei den frühen Kontroversen um Freud und die Psychoanalyse über deren Status als Wissenschaft, aber auch über deren Verhältnis zu alten romantischen und neuen anarchistischen Idealen. Der Freud-Komplex hat sich längst generiert, doch immerhin noch unter der Einschränkung, »(institutionelle) Grenzen zu ziehen zwischen Wissenschaft und Kunst, Bürgertum und Boheme, Subjektivität und Objektivität« (S. 114). Es sind ebendiese Grenzen und das ihnen entsprechende bürgerliche Korsett in der Gesellschaft, die laut Kauders in den Folgejahren zunehmend an Bedeutung verloren. Was sich zunehmend auch politisch konstatieren lässt, ist, mit Thomas Mann gesprochen, eine Art »Leidenschaftsdynamik« (S. 115) der Deutschen, ein Ruf nach mehr und mehr Freiheit für das schöpferische Unbewusste, der auf eigentümliche Weis