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Die ungarische Psychoanalytikerin Edit Gyömröi, deren Emigrationsweg sie über Wien, Berlin, Prag und Budapest nach Ceylon (dann London) führte, verfasste wohl 1941 auf der Überfahrt von Ceylon in die USA auf Deutsch einen Roman, der erst jetzt dank dem Engagement von Christiane Ludwig-Körner publiziert wurde.1
Ich habe den Text zum ersten Mal vor fast 20 Jahren im Typoskript gelesen - und war enttäuscht. Heute staune ich darüber, denn beim Wiederlesen fand ich ihn insgesamt ausgezeichnet. Warum nicht schon damals? Haben die Kürzungen, Straffungen, Korrekturen, die der Text für den Abdruck erfahren hat, ihn so sehr verbessert? Oder lag es daran, dass ich den Text, weil er sich deutlich an den Lebenslauf der Autorin anlehnt, als verkappte Autobiographie nehmen wollte? Und als solche gibt er wenig her: einige Kindheitserinnerungen, scharfe Beobachtungen über das sozialistische Milieu der 1920er Jahre und allerdings auch das Tiefste, das Lebensgefühl und Liebesbedürfnis einer Frau aus der Generation von Heldin und Autorin. Die Psychoanalytikerin Gyömröi kommt darin nicht vor. Aber meine damalige Perspektive tat dem Roman Unrecht; man muss ihn als Literatur lesen.
»Wissen Sie, was ein Refugee ist«, fragt die 40-jährige Ich-Erzählerin Eva den Ersten Offizier des Schiffes, das (auch) sie von Ceylon nach Amerika führt. Das ist ein Leitmotiv des Buchs - die Heimatlosigkeit: in der Familie als ungeliebtes Kind der Mutter, in der Gesellschaft der 1920er Jahre, die von den Linken als »Provisorium« erlebt wird, weil die bessere Welt vor der Tür steht, in der Ehe, von der Eva schon bei der Heirat weiß, dass sie ihr bald entfliehen wird, in Ceylon, wo sie als emanzipierte europäische Frau ins Abseits gerät, auf dem fahrenden Schiff inmitten einer Weite, in der alle Ufer untergegangen scheinen. Erst durch die Liebe zu Chris, einem sechs Jahre jüngeren ceylonesi-schen Arzt, gewinnt sie die Freiheit zu fühlen, »dass Heimat für mich dort ist, wo der Mann lebt, den ich liebe«.
Eva ist die