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Üblicherweise setzt die Wahrnehmung Georg Groddecks bei der Eröffnung seines Sanatoriums im Jahr 1900 ein. Er hatte aber auch ein ausgeprägtes, gut zehnjähriges ärztliches Vorleben. Wie breit gefächert und reichhaltig es war, erschließt sich in diesem Band hervorragend, beginnend mit der 1889 erschienenen Inaugural-Dissertation »Über das Hydroxylamin und seine Verwendung in der Therapie der Hautkrankheiten«. Drei anschließende Arbeiten befassen sich mit der Cholera. Das Kur(un)wesen seiner Zeit prangert Groddeck u. a. in dem vergleichsweise langen Artikel über »Cur und Curen« an. Mitten im Buch der gastroenterologische Beitrag »Verstopfung« (mit der charakteristischen Erkenntnis: »wir behandeln keine Verstopfung, sondern nur verstopfte Menschen«) sowie »Einiges über die Bedeutung mechanischer Vorgänge im Bauche«. Und für den Ophthalmologen gibt es die spannende Gleichzeitigkeit von Platzangst und leichten Paresen der Augenmuskeln in »Über den Zusammenhang von Sehschärfe und Zirkulation«.
Das Buch vermittelt einen sehr guten Einblick, welche Themen die Ärzte um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert beschäftigten, z. T. verlassene, z. T. zeitlose wie »Das Ansehen des ärztlichen Standes sinkt« oder »Ärzte und Pfuscher«. Die »Ketzereien« beschäftigen sich auch mit dem »Rezeptschwindel« und der »Laienweisheit«. Groddeck hat damals schon zu vielem etwas zu sagen, und er tut es auf seine gewohnte Art und Weise. Mit der Lehre an den Universitäten geht er hart ins Gericht: »Die Professoren […] lehren uns Krankheiten erkennen, aber nicht heilen.« Dem Studenten »zeigt man nicht die Massage, aber er weiss, welche Formel das Phenacetin hat« (S. 99).
Wir erleben hautnah (!) den frühen Groddeck, oft derb und deftig, kraftmeierisch und genialisch, wie wir ihn schätzen