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Dieses Buch ist keine Biografie Alice Millers (1923-2010), kein Erinnerungsband und auch keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk. Und doch enthält es Elemente von alledem und fügt sie zu einer hochpersönlichen Mischung zusammen. Was dabei entstanden ist, gründet vor allem auf der speziellen Position des Autors: Martin Miller ist der 1950 geborene Sohn Alice Millers und zugleich ein von ihrem Ansatz beeinflusster Psychotherapeut.
Ausgangspunkt für sein Schreiben ist die Diskrepanz - ja, der Widerspruch - zwischen den Leitideen seiner Mutter als »großer Kindheitsforscherin« (S. 25) und ihrem eigenen Verhalten im Leben - sei es ihm als Sohn und anderen, sei es sich selbst gegenüber. So hielt Alice Miller bis zu ihrem Tod zentrale biografische Erfahrungen und Fakten im Verborgenen, obwohl es zu ihren Grundsätzen zählte, Kindheitstraumatisierungen aufzudecken, um so den Bann ihres innerfamiliären wie seelischen Weiterwirkens zu brechen. In seinem Buch möchte Martin Miller »diese beiden Welten in einen Zusammenhang […] bringen« (S. 25). In der »Abspaltung« des Werkes seiner Mutter von ihrem Leben erkennt er den Ausdruck einer unterdrückten Traumatisierung als Holocaust-Überlebende, die in seinem Buch erstmals genauer in den Blick genommen wird.