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In diesem Essay werden zwei Bücher besprochen: Paul Roazens Buch über die Ergebnisse seiner vier Jahrzehnte dauernden Forschungen zur Wilson-Biographie von Sigmund Freud und William Bullitt1 sowie die erste deutschsprachige Veröffentlichung der Biographie selbst.2
Vorab eine persönliche Bemerkung: Ich hatte das Privileg, die letzten zwei Jahre von Roazens Arbeit an seinem Buch in persönlichen Gesprächen und dank eines regen E-Mail-Austausches miterleben zu dürfen. Roazens in den Gesprächen leise vorgetragenen Argumente und seine wissenschaftshistorische Akribie haben mich beeindruckt. Er war auch von seltener Großzügigkeit, was das »sharing« von eigenen, in statu nascendi befindlichen Arbeiten betraf. Auch deshalb hat mich sein früher Tod stark bewegt.
Im Frühjahr 1965 hatte Roazen in Harvard zum Thema »Freud and Political Thought« promoviert (siehe Roazen 1968); wenige Monate später erfuhr er von der bevorstehenden Veröffentlichung der Wilson-Biographie (Freud u. Bullitt 1967). Sein Interesse an ihr war damals in erster Linie politikwissenschaftlich und sozialphilosophisch motiviert. Er trat in Verbindung mit William Bullitt und Anna Freud. Letztere empfing ihn zum ersten Mal im Sommer 1965; mit Bullitt hatte er nur telefonischen und brieflichen Kontakt.
Obwohl sein hier besprochenes Buch Kapitel über die Wahl des Verlags für die Wilson-Biographie, den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und die Rolle Bullitts bei der Rettung Freuds enthält, stehen doch zwei Themen im Vordergrund: der Anteil Freuds an der Wilson-Biographie und die Rolle von Anna Freud und Erik Erikson bei der öffentlichen Meinungsbildung über die Qualität der Biographie. Ich konzentriere mich bei der Besprechung auf diese zwei Punkte.