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Der Umstand der Vertreibung durch den Nationalsozialismus verdeckt in der Rückschau nur allzu leicht, was die Psychoanalyse von sich aus zu ihrer Eliminierung aus dem gesellschaftlichen Leben beigetragen hat. Die mit der Etablierung von Ausbildungsstrukturen einhergehende Medizinalisierung - die Zurückdrängung der Laienanalyse und die Einengung auf Psychotherapie - ist zwar schon oft thematisiert und vor allem im Hinblick auf die Beschneidung des gesellschafts- und kulturkritischen Potentials der Freud'schen Lehre auch kritisiert worden. Weniger Beachtung hat dabei jedoch gefunden, dass die Öffnung der Psychoanalyse hin zu einer psychosozialen Praxis außerhalb der Klinik nach vielversprechenden Anfängen in den 1920er und 1930er Jahren von einer Mehrheit der Psychoanalytiker selbst blockiert worden ist. Die an pädagogisch-psychoanalytischer Fortbildung interessierten Lehrer und Fürsorgerinnen - und deren gab es gerade in Wien vor dem Krieg viele - erhielten zwar Unterricht; eine vollwertige Mitgliedschaft in der freudianischen Organisation aber blieb ihnen ohne therapeutische Ausbildung letztlich verwehrt. Später, in den 1950er und 1960er Jahren, hat man Praktiker aus Pädagogik und Sozialarbeit im Rahmen des Ausbildungsprogramms der wiedergegründeten Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) dann gar nicht mehr unterrichtet. Nicht weil sich aus diesen Kreisen niemand mehr für die Psychoanalyse interessiert hätte, sondern umgekehrt, weil die Psychoanalyse sich in den Bereich des Behandlungszimmers zurückzog.
Und doch hat das, was im Wien der 1920er Jahre von August Aichhorn begonnen worden war, über viele Jahrzehnte und auch über die politischen Zäsuren von 1938 und 1945 hinweg eine Fortsetzung gefunden. Die von Aichhorn verfochtene Einbeziehung der Psychoanalyse als Hilfswissenschaft in die Praxis der Kinder- und Jugendwohlfahrt wurde über seinen Tod hinaus weiterverfolgt - von einzelnen Fürsorgern und Fürsorgerinnen, die seine Arbeit mit verwahrlosten Jugendlichen