You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Herausgabe unveröffentlichter Manuskripte klassischer Psychoanalyse ist stets begrüßenswert, unabhängig von ihrer schwankenden Qualität, welche nicht selten zur ursprünglichen Nicht-Veröffentlichung beigetragen hat. Im Falle von Freuds »Entwurf einer Psychologie« wurden wir beschenkt um eine wesentliche Quelle, welche seit ihrem Erscheinen eine große Bereicherung psychoanalytischen Denkens darstellt. Hingegen über das wieder aufgetauchte metapsychologische Manuskript »Übersicht der Übertragungsneurosen« konnten sich nur jene bedenkenlos freuen, welche Freuds und Ferenczis Lamarckschen Gedankenspielen ohnehin nicht abgeneigt waren. Im vorliegenden Fall handelt es sich weder um einen verschollenen großen Wurf noch um eine philosophische Peinlichkeit, sondern um eine sehr gelungene, frühe Annäherung an die Frage der Wechselwirkungen zwischen physischen und psychischen Hemmungen, einschließlich der Suche nach Möglichkeiten derer Auflösung.
Der erste Teil der Arbeit ist allgemein gehalten und hätte die Überschrift »Zur Psychoanalyse des Sports« verdient. Fenichel erkennt in jedem Turnen, in Anlehnung an Sadger, eine Muskelonanie, in welcher »[…] eine gewisse Menge prägenitaler Libido auf sozial erlaubte Weise motorisch abgeführt, der Druck der verdrängten infantilen Sexualität, der nötige Gegenbesetzungsaufwand entsprechend verringert wird […]«. Der Nachteil läge in der Regressionsgefahr, »dass jede prägenitale Befriedigung prägenitale Fixierungen setzt oder verstärkt, somit die für den gesunden Erwachsenen nötige genitale Position schwächt« (S. 23). So verhelfe Gymnastik und Ähnliches zwar zu einer Stärkung eines von Schuldgefühlen freien Narzissmus, zugleich stelle sie ein Hindernis für die unsublimierbare Genitallibido dar, welche abgesehen von neurotischen Pfaden nur direkte Abfuhr erlaubt. Eine Erkenntnis, die zum Verständnis der heute so verbreiteten Sportfreaks beiträgt, welche sich deswegen immer maßloserer Ertüchtigung widmen, weil das Moment der erhofften