You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Buch ist ein gemeinsames Projekt der Großloge von Österreich, der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und des Vereins der Geschichte der Arbeiter/innenbewegung. August Aichhorn stellte im Jahr 1924 einen Antrag auf Aufnahme an die »Großloge von Österreich« (so wird die Dachorganisation der Freimaurer eines Landes bezeichnet). Zum Zeitpunkt des Antrags war er gerade zwei Jahre Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und entwickelte in dieser Zeit seine Form der psychoanalytisch orientierten Erziehungs- und Sozialarbeit. Diese Pionierleistung mündete in der Veröffentlichung des Buches »Verwahrloste Jugend« , für das Sigmund Freud ein Vorwort verfasste. Aichhorn wurde in seinen Bemühungen um Aufnahme in die Bruderschaft zurückgewiesen. Über sein Ansuchen wie auch über die Hintergründe des Rückzugs seiner Bewerbung war bisher nichts bekannt.
Mit einem bemerkenswerten Aktenfund in Moskau im Jahr 2011 wird das Archiv der Großloge von Österreich für die Jahre 1873-1938 wieder zugänglich und damit auch die Akten von Aichhorns Ansuchen. Zwei Akten (betreffend die Aufnahmeansuchen von Franz Schuhmeier, ein führender österreichischer Sozialdemokrat vor dem I. Weltkrieg, und August Aichhorn) wurden in Kopie zur wissenschaftlichen Veröffentlichung freigegeben. Auf den Teil des Buches, der Aichhorn betrifft, will ich hier näher eingehen. In der von Norbert Knittler herausgegebenen Dokumentation wird es nun erstmals möglich, die Begründungen nachzulesen, die letztlich dazu geführt haben, dass Aichhorn seinen Antrag wieder zurückgezogen hat. Zum einen wurde ihm seine Vergangenheit vorgeworfen. Er sei, so die »Informatoren« der Großloge, einer »sturkatholischen« Welt verpflichtet, die von seinem Vater geprägt sei, der Gemeinderat für die damals antisemitisch agierende