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Der aus Wien nach Chicago emigrierte Heinz Kohut war in den 1960er Jahren Präsident der Amerikanischen und Vize-Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Sachlich und persönlich mit Analytikern wie K. R. Eissler, Anna Freud und Heinz Hartmann verbunden, wurde er von vielen als kommender Präsident der IPV und als intellektueller Führer der modernen Psychoanalyse, als »Mr. Psychoanalysis«, angesehen. Das änderte sich radikal, als bekannt wurde, dass er sich von der klassischen Auffassung von Psychoanalyse abgewandt und eine eigenständige »Selbstpsychologie« entwickelt hatte. Seine Ideen wurden bekanntlich von den meisten Kollegen seiner Generation heftig abgelehnt; Nachfolger fand er eher bei jüngeren Psychoanalytikern und bei psychoanalytisch orientierten Psychotherapeuten. Mittlerweile hat sich die »Selbstpsychologie« als eine Richtung etabliert, die sich weltweit in eigenen Vereinen organisiert, Zeitschriften herausgibt und internationale Konferenzen abhält. Im Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts wird einerseits Kohuts Biographie beleuchtet, insbesondere im Blick auf seine Wiener Herkunft, und andererseits die Rezeption seines Werks untersucht, insbesondere im deutschsprachigen Raum.
Den Anfang macht sein Sohn, der Historiker Thomas A. Kohut, der in einer persönlichen Betrachtung hervorhebt, wie Kohut an die Stadt seiner Herkunft gebunden blieb: »Mein Vater war kein Jude, sondern Wiener.« Die Verbindung zu Wien wurde wiederbelebt durch den Briefwechsel, den Kohut von 1946 bis 1949 mit seinem Analytiker August Aichhorn führte; Thomas Aichhorn und Michael Schröter legen die relevanten Passagen daraus vor. In einer Vorbemerkung stellt Thomas Aichhorn zum einen den ersten Analytiker Kohuts, Walter Marseille, vor und zum anderen seinen »inoffiziellen« Kontrollanalytiker in Chicago, Paul Kramer, der ebenfalls ein Analysand Aichhorns war. Der Briefwechsel wirft die Frage auf, inwieweit Kohuts »Selbstpsychologie« von August Aichhorn beeinflusst gewe