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In meiner Kindheit und Jugend verbrachten meine Eltern und ich fast jeden Sommer einen Monat in Carmel (Kalifornien). Abgesehen davon, dass Carmel ein wunderschöner Ort für Sommerferien ist, glaube ich, dass es meine Eltern zumindest am Anfang dorthin zog, weil viele aus Mitteleuropa stammende Psychoanalytiker und ihre Ehepartner ebenfalls dort Ferien machten. Zu ihnen gehörten meiner Erinnerung nach Anna und Fritz Moellenhoff, Ruth und Bernd Kamm, Ilse und Henry von Witzleben, Rudolf Ekstein und Martin Grotjahn. Auch als diese Gruppe längst nicht mehr existierte, gingen meine Eltern weiter im Sommer nach Carmel. Das meiste, was mein Vater geschrieben hat, ist dort entstanden. Und in Carmel verbrachte er auch den letzten vollen Monat seines Lebens. Wenn im September die Zeit für die Rückkehr nach Chicago gekommen war, hat er sich gelegentlich versprochen. Er sagte: »Now it's time to go home to Vienna—ach, I mean Chicago.«
Wien war für meinen Vater immer »Zuhause«. Aber es war ein Zuhause, das er verloren, das ihn abgelehnt und verstoßen hatte, und ein Zuhause, das sich unwiderruflich verändert hatte. Anders als vielen amerikanischen Juden oder Flüchtlingen aus Mitteleuropa fiel es meinem Vater schwer, nach Wien zurückzugehen - nicht wegen der Dinge, die ihm dort angetan worden waren, nicht wegen des Schicksals des europäischen Judentums oder auch seiner eigenen österreichischen Verwandten, die im Holocaust umgekommen waren. Er hatte kein Problem damit, nach Deutschland zu gehen, und ist oft dorthin gegangen; wir waren auch dreimal in Salzburg, nicht zuletzt zum Besuch der Salzburger Festspiele. In Wien aber war mein Vater nach seiner Flucht aus Österreich im Frühjahr 1939 nur noch zweimal. 1957 besuchte er mit meiner Mutter und mir seinen krebskranken Onkel Hans Lampl und einige andere Verwandte, die als Nicht-Juden in Österreich hatten bleiben können; und 1973 war er noch einmal dort mit meiner Mutter, mir und meiner damaligen Freundin, jetzigen Frau Susan. Beide Ma