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Es gibt also tatsächlich noch einen unbekannten Freud - hier ist er, vor allem in den ersten drei Bänden. Zusammen mit den sukzessiv erscheinenden vollständigen Brautbriefen ergeben sie, wenn schon kein völlig neues Bild von Freud, so doch eines, das die traditionelle Sicht, die diese Periode etwas abschätzig als »vor-analytisch« bezeichnet (und nicht etwa die spätere als »post-neurologisch«), wohltuend wieder zurechtrückt. Natürlich waren alle diese früheren Texte bereits auf die eine oder andere Art zugänglich, 2011 waren auch viele von ihnen auf der CD Freud im Kontext erschienen, und manche Freud-Forscher mögen sich in oft jahrelanger Suche Kopien aus Bibliotheken, antiquarische Ausgaben u. ä. verschafft haben. Einzelne bedeutende Monographien, wie die Aphasie-Studie, sind in kommentierten Einzelausgaben neu aufgelegt worden. Aber Hand aufs Herz: Nur wenige haben sich wohl wirklich die Mühe gemacht, all diese verstreuten Arbeiten, darunter über 200 (!) Buchrezensionen, systematisch und chronologisch durchzuarbeiten. Erst in dieser geballten Zusammenstellung der neurologischen Schriften, die in Quantität und Qualität ohne weiteres dem gesamten Lebenswerk anderer Forscher gleichkommen und allein Freuds Ruhm als bedeutender Wissenschaftler begründet hätten, ergibt sich auf den ersten Blick, wie sehr Freud eben kein gelernter Psychologe war und wie tief er in der damaligen Neurologie und Neuropathologie verwurzelt war. Er hat diese Wurzeln in seiner »postneurologischen« Zeit nie geleugnet, und man wird die Verbindungen zwischen ihnen jetzt auch besser studieren können. Geradezu spannend ist es dann, im 4. Band, der die Jahre 1892-1894 umfasst, die allmähliche Hinwendung zur psychologischen Neurosenforschung und -therapie zu verfolgen, beginnend mit einem ersten »Fall von hypnotischer Heilung«, bei dem es sich vielleicht um niemand anderen als um Freuds Frau Martha handelt.1
Es ist nicht möglich, in dieser kurzen Rezension näher auf den Inhalt der vier ersten Bände mi