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Der an der Universität Kopenhagen lehrende Historiker Detlef Siegfried hat u. a. über die Novemberrevolution von 1917, die Rolle von Intellektuellen in den Dessauer Junkers-Werken, die Konflikte zwischen SPD und KPD nach 1945 und die westdeutsche Jugendbewegung in den 1960er Jahren gearbeitet. Nun ergänzt er sein weitgefächertes Werk um eine Biographie über Ernst Bornemann oder, wie dieser sich später nannte, Ernest Borneman (1915-1995). Gründlich recherchiert, flüssig und spannend geschrieben, zeichnet sie sich insbesondere durch die Fairness aus, mit der sich Siegfried seinem Protagonisten trotz dessen oftmals fragwürdiger Selbstinszenierung nähert. Auch für Bornemans Hochstapeleien (erfundene Kontakte und Qualifikationen etc.) findet Siegfried nachvollziehbare Motive in dessen Charakter und seinen oft prekären Lebensumständen: Der »Jungkommunist mit jüdischem Familienhintergrund« floh 1933 aus Deutschland, wurde 1940/41 erst in Großbritannien, dann in Kanada als »feindlicher Ausländer« inhaftiert, war finanziell selten abgesichert, vielfach - teils selbst mitverschuldeter - Kritik ausgesetzt. Dass Siegfried ihn im Kontext zeitgenössischer Kultur, Wissenschaft und Politik darstellt, erbringt mannigfaltige Zusatzinformationen. So wusste ich z. B. nicht, dass es schon zu Beginn der 1960er Jahre in der BRD - unter Beteiligung von Borneman - den Versuch gab, ein Privatfernsehen zu installieren. Was damals glücklicherweise noch scheiterte.
Siegfried attestiert Borneman resümierend eine »enorme Lebensleistung«.