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In den Erkundungen, die der vorliegende Band versammelt, wird aus sieben Blickwinkeln Licht auf die brasilianische Psychoanalyse geworfen. Das aus der Sicht »des deutschsprachigen Mitteleuropas« durch Stereotype und Projektionen verzerrte Bild einer vielfältigen und widersprüchlichen brasilianischen Realität soll, so die Einleitung, facettenreicher gestaltet werden. Vier Beiträge stammen aus brasilianischer Feder, drei von deutschen Autoren, die langjährige Erfahrung mit der brasilianischen Realität haben. Dadurch wird auch ein Licht auf die Beziehung der brasilianischen Psychoanalyse zum deutschen Sprachraum geworfen. In den meisten Beiträgen geht es um historische Betrachtungen, Einschätzungen zur aktuellen Situation finden aber auch ihren Platz.
Meine erste Lektüre war begleitet von Irritationen. Den differenzierten Analysen mit spannenden historischen Fakten gegenüber standen Beiträge, über die ich stolperte. Die brasilianische Realität schien mir dabei auf den ersten Blick über die Betonung typisch brasilianischer Eigenarten pauschalisierend dargestellt, durch eine kulturalisierende Optik getrübt, bin ich doch als Psychoanalytiker bemüht, in meiner klinischen Praxis (u. a. auch mit Brasilianerinnen) vorschnelle kulturelle Zuschreibungen zu vermeiden, um den Blick auf tieferliegende Realitäten nicht zu verstellen. Ich brauchte eine zweite Lektüre, um mich meinerseits nicht vorschnell auf eine Wahrnehmung des Buches festzulegen.
Die ersten drei Beiträge beleuchten ausschließlich historische Fakten, insbesondere die Pionierzeit der brasilianischen Psychoanalyse. Hannes Stubbe geht einem der frühen Brückenköpfe nach, welcher Freud die Ankunft in den Tropen, genauer in Rio de Janeiro, ermöglichte. In minuziöser Kleinarbeit mit ausgiebigen Querverweisen in Fußnoten, die von großer Kenntnis der brasilianischen Psychoanalyse zeugen, analysiert er die erste psychoanalytische Dissertation zur Zeit des Ausbruchs des I. Weltkriegs. Er klopft sie auf ihre Quellenverwendung ab